250 Dinge, die wir an der Region mögen (117): Die Bad Hersfelder Festspiele

Das Spiel unter den Bögen

Das große Spiel unter den Bögen der Stiftsruine: Szenenfoto mit Anna Franziska Srna als Johanna von Orleans aus der Spielzeit 2008. Foto: HZ-Archiv

Bad Hersfeld. Es ist jedes Jahr das Gleiche und doch immer wieder neu. Es ist dieser magische Moment kurz vor Beginn der ersten Festspiel-Premiere. Der Blick auf die riesige, noch leere Bühne und darüber die gewaltigen Bögen des Querschiffs der Stiftsruine. Faszination, Ergriffenheit. Was für eine Spielstätte! Und sie liegt direkt vor unserer Haustür.

Kein Wunder, dass dieser Ort vor nunmehr 63 Jahren für großes Theater entdeckt wurde. Erst durch eine kulturelle Bürgerinitiative, dann von den Profis und den großen Namen von renommierten Bühnen.

Noch immer schwärmen die alten Hersfelder von den Zeiten, in denen sie die Schauspielkunst von Lil Dagover, Attila Hörbiger, Albin Skoda, Mario Adorf und weiteren Berühmtheiten bei „ihren“ Festspielen erleben durften. Doch auch heute bietet das zeitgemäß gewandelte Festival höchste Qualität, die sowohl Vergleichen mit anderen Freilichtveranstaltungen wie auch den festen Häusern in größeren Städten und Großstädten standhält. Gerade in den letzten Jahren hat das Schauspiel in Bad Hersfeld wieder an Renommee gewonnen, und beim Musical sind die Festspiele schon seit Längerem eine erste Adresse in Deutschland.

Für die Hersfelder geht es freilich nicht nur um die Aufführungen. Für die Ortsansässigen dauert die Saison auch viel länger als für andere. Denn bereits mit Probenbeginn im Mai veränderte sich die Atmosphäre in der Stadt. Auf einmal ist Bad Hersfeld nicht nur ein beschaulicher Flecken mit hübschem Fachwerk, sondern eine Festspielstadt, die Blicke von draußen auf sich zieht.

Dabei geht es hier immer familiär zu. Die Mitglieder des Ensembles gehören auf einmal zum Straßenbild, sie werden erkannt, und nicht selten bietet sich Gelegenheit zum Gespräch. Viele Mitwirkende wohnen während der Festspielzeit in privaten Quartieren.

Und was die Faszination der Spielstätte Stiftsruine angeht: Natürlich gewöhnt man sich nach dem zweiten oder dritten Festspielabend im Laufe einer Spielzeit auch daran. Doch zur Eröffnung im nächsten Jahr wird dieses kribbelnde Gefühl ganz sicher wieder da sein.

Von Karl Schönholtz

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