Viele Rangeleien machen das Kinderstück „Die Brüder Löwenherz“ zum Jugendtheater

Spiel mit der Todesangst

Der Chor der Kämpfenden: Karl Löwe (Johannes Hendrik Langer, zweiter von links) und Jonathan Löwe (Stefan Faupel, ganz rechts) brüllen die Geschichte des letzten Gefechtes regelrecht heraus. Fotos: Hans- Heinrich Hartmann

Bad Hersfeld. Astrid Lindgrens Erzählung von den Brüdern Löwenherz ist ein dunkles, beunruhigendes Werk, das den Tod thematisiert. Nicht für jede Altersklasse geeignet ist dementsprechend auch die Inszenierung der Brüder Löwenherz des Berliner Theaters an der Parkaue in der Stiftsruine. Das Familienstück feierte gestern mit vielen Rangeleien Premiere.

Karl Löwe, etwas überdreht dargestellt von Johannes Hendrik Langer, ist ein Angsthase, der Angst vorm Sterben hat. Sein älterer Bruder Jonathan (Stefan Faupel) tröstet ihn mit der Erzählung von Nangijala, dem Abenteuer-Reich, das nach dem Tod auf die Beiden wartet. Nach einem Hausbrand landet Jonathan als Erster in in dieser Welt Karl folgt kurz darauf. Dargestellt wird das Unglück durch lautes Getöse und eine unpassend anmutende Klamauk-Einlage mit Stefan Kowalski als aufgeregtem Reporter.

Brüche in der Handlung

In Nangijala wartet kein Idyll, sondern ein Verräter, der die Bewohner dort dem Tyrannen Tengil und seinen Soldaten ausliefern möchte. Aus dem vormals so ängstlichen Karl wird ein mutiger Held, der diesen unter Einsatz seines eigenen Lebens enttarnt.

Ein überdimensionaler schwarz-weiß gepunkteter Bilderrahmen (Bühnenbild: Henning Beckmann) bildet die Kulisse. Zeichnen die ersten Szenen des Stückes eine stringente Handlung nach, ziehen sich durch die zweite Hälfte gedankliche Brüche. So bleibt unklar, wie es den Löwenherz-Brüdern gelungen ist, sich die Uniform der feindlichen Soldaten zu beschaffen, um die Gegner zu täuschen.

Da aber eine Verfolgungsjagd der nächsten folgt, unterbrochen von skurrilen Einlagen wie tanzenden Opas, bleibt kaum Zeit, über diese Brüche nachzudenken. Sie fallen kaum ins Gewicht. Die optische Trennung zwischen Gut und Böse hat Kostümbildnerin Constanze Zimmermann märchenhaft gekonnt umgesetzt: Goldene Pailletten und Rüschen gegen schwarze Kleider, beflaggte Schultern sowie einen Tyrannen, der an ein Marsmännchen erinnert.

Unverständlicher Schluss

Die Schlussszene aber scheitert: Regisseur Kay Wutschek versucht hier, die Geschichte des Buches weiterzudrehen. Jonathan Löwenherz muss auf den Schultern seines Bruders ein zweites Mal sterben. Während die Brüder Löwenherz in Lindgrens Version nur das Licht eines schönen, neuen Ortes sehen, tanzen in der Stiftsruine weißgekleidete Gestalten unter Seifenblasen. Sie laden ins nächste Traumreich ein, in dem die Brüder nach ihrer Zeit in Nangijala angekommen sind. Das Publikum kann dieser Idee nicht folgen, der Applaus setzt verzögert ein.

Die Zielgruppe des Stückes ist mit Kindern ab acht Jahren zu hoch angesetzt, Gewalt oder ihre Androhung schwingen in zu vielen Szenen mit. Jugendliche wie Erwachsene werden aber von Einspielern wie der Melodien von Tatort und Tagesschau in die Geschichte gezogen. Und auch im Bösen findet sich noch ein wenig Komik. Dann nämlich, als die Soldaten plötzlich die Melodie von Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ pfeifen.

Von Sonja Broy

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