Das Spiel beginnt

Götz Geißler

Jetzt ist genug diskutiert, spekuliert, ausprobiert und geprobt worden. Ab heute gilt es. Zwei internationale Großereignisse werden eröffnet. Und die Trillerpfeife macht mit. In einem Falle dient sie dazu, das Spiel beginnen zu lassen, im anderen hat sie quasi Sklaven treibende Funktion. Die Fußballweltmeisterschaft und die Bad Hersfelder Festspiele beginnen. Das gute, große Spiel, davon gefesselt zu sein, die Emotionen, so weit liegen Fußball und Theater nicht auseinander. Namhafte Regisseure haben ihre Spielpläne mit denen der Champions League abgeglichen, sie selbst sind oft fußballbegeistert.

Die Theatertrillerpfeife kommt im Tell zum Einsatz, der Fronvogt treibt damit die Entrechteten zur Arbeit an der Festung Zwing Uri. Mit dem Tell werden heute die Bad Hersfelder Festspiele eröffnet. Jeder kennt den Text aus der Schule. Zimmermann ersetzende Äxte und lächelnde Seen, die zum Bade laden, aber auch Geschosse, von denen man weiß, wessen sie sind. Und der belesene Tell-Geograph weiß, in welches Städtchen hohle Gassen führen. Keiner kennt bisher Holk Freytags Fassung des Tells in der Stiftsruine 2010. Das ist eine Uraufführung, und die macht neugierig.

Die Vorarbeit war lang und intensiv, jetzt kann das Publikum die Arbeit des neuen Intendanten würdigen, seine Handschrift wird nun öffentlich. Und eine andere Ära mit eindeutiger Handschrift neigt sich dem Ende zu. Bürgermeister Boehmer wird das letzte Mal die Amtskette zur Eröffnungsveranstaltung tragen. Unser Bürgermeister hat viele Intendanten kennen gelernt, in einigen Monaten wird unser Intendant den neuen Bürgermeister kennen lernen. Und wir selbst haben die Möglichkeit, einen Festspielbürgermeister zu wählen.

Tierisch sind unsere Festspiele auch, on stage wie back stage. Das Carmen- Bühnenhuhn, bekannt durch Berichte dieser Zeitung wie diverse Interviews, ist ein cooler Bühnenprofi. Die Amseleltern mit ihren hungrigen Jungen unter dem Dach des Inspizientenpults müssen sich jetzt zusätzlich noch an die Fanfare gewöhnen. Wenn unser Intendant als Hundefreund vor der Kantine einen Hund freudig begrüßt, dieser ihn aber in die Nase zwickt, dann war das ein Kommunikationsproblem. Kommunikationsprobleme sagt der Sozialwissenschaftler, die Theaterfassung ist dann das Drama. Ein Drama war dies nicht, da klebt längst ein Pflaster drüber.

Viel Erfolg wünsche ich der deutschen Nationalmannschaft in Südafrikas neuen Stadien und den Aufführungen der Bad Hersfelder Festspiele auf der schönsten Bühne der Welt.

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