Interview: DRK-Kreisgeschäftsführer Thorsten Bloß über knappe Blutkonserven

Spenden nicht für Geld

Thorsten Bloß. Foto: Schankweiler-Ziermann

Hersfeld-Rotenburg. Es ist das Leid zur Ferienzeit, alle Jahre wieder: Die Blutkonserven werden knapp. Über die Situation in der Region sprachen wir mit Thorsten Bloß, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Rotenburg.

Herr Bloß, beschreiben Sie doch einmal, wie man sich nach einer Blutspende fühlt!

Bloß: Man fühlt sich einfach gut. Es ist ein schönes Gefühl, zu helfen und etwas Gutes getan zu haben. Körperlich merkt man da keinen Unterschied zu vorher – etwa dass man ein halbes Kilo leichter wäre als vorher oder so etwas.

Immer wieder zur Sommerzeit werden die Blutkonserven knapp. Wie ist die Lage im Augenblick?

Bloß: Wir merken einfach, dass im Sommer die Bereitschaft zur Spende geringer ist. Die Menschen haben anderes zu tun, viele sind ja auch verreist.

Ist es schlimmer als in vergangenen Jahren?

Bloß: Nicht schlimmer und nicht besser. Wir haben zehn bis 15 Prozent weniger Spender zurzeit. Dabei merken wir übrigens, dass in kleinen Orten wie etwa in Niederthalhausen die Bindung an die Spendetermine höher ist als in den Städten. Oft gehen die Menschen dort ganz bewusst im Sommer zur Blutspende. In Rotenburg und Bebra bieten wir derzeit mehr Termine an als zu anderen Zeiten im Jahr. Das ist übrigens mit sehr viel Arbeit verbunden, die ehrenamtlich in den Ortsvereinen geleistet wird, das muss man einfach einmal sagen.

In Großstädten wird häufig mit Geld um Blutspender geworben. Was halten Sie von solchen Werbemaßnahmen?

Bloß: Ich halte das für falsch, und es ist auch nicht der Weg, den das DRK geht. Bei uns gilt weiter der Grundsatz, dass der Mensch für den Menschen spendet. Das ist unsere Tradition, und die wird von den Menschen, die im Kreis zu unseren Blutspendeterminen kommen, auch anerkannt.

Beschreiben Sie doch einmal den Weg, den eine Blutkonserve geht.

Bloß: Das ist ein hochkomplexer Vorgang. Das Blut wird ja in seine Bestandteile – Blutplasma und Blutplättchen – getrennt. Generell aber kann ich sagen: Das in Hessen gespendete Blut wird auch in Hessen ge- und verbraucht. Für unsere Region kommen die Konserven aus der Blutbank in Kassel. 70 bis 100 Spenden davon werden übrigens für eine einzige komplizierte Operation benötigt, und davon gibt es ja auch nicht nur eine im Monat.

Haben Sie vor Ort gemerkt, dass durch die Ehec-Erkrankungen mehr Konserven als sonst gebraucht wurden?

Bloß: Nein, so direkt hat man das hier nicht gemerkt. Aber auch solche Situationen zeigen, wie wichtig es ist, dass wir genügend Spender haben.

Wir haben jetzt von Ihnen viele Gründe gehört, die dafür sprechen, Blut zu spenden. Gibt es eigentlich auch einen Grund, der dagegen spricht?

Bloß: Ich kenne keinen!

Von Rainer Henkel

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