Rotaract startet Aufklärungsaktion zur Organspende – Diskussion in der City Galerie

Spende mit Herz und Hirn

Werbung für eine Herzensangelegenheit: Dr. Reinhard Funck, Otto Gemming, Willy Ried, Wilfried Schäfer, Dr. Axel Saure und Liubov Amusina (sitzend von links) diskutierten unter Leitung von Kristina Marth von der Hersfelder Zeitung (mit Mikro) über Organspenden. Foto: Kai A. Struthoff

Bad Hersfeld. Winnetou und Old Shatterhand sind die berühmtesten Blutsbrüder der Geschichte. Weniger bekannt, dafür umso lebendiger sind Willy Ried aus Bad Hersfeld und Otto Gemming aus Petersberg. Ihr Leben verdanken sie einem unbekannten Organspender, der ihnen jeweils eine seiner Nieren vermachte. Beide wurden am selben Tag im selben Krankenhaus transplantiert. Seither feiern sie immer am 4. Juli ihren zweiten Geburtstag und ihre Blutsbrüderschaft.

Das Leben der beiden älteren Herren, die zuvor jahrelang auf Dialyse angewiesen waren, hat eine neue Qualität gewonnen. Deshalb engagieren sie sich ehrenamtlich in der Selbsthilfe Niere Osthessen und warben am Samstag bei einem Diskussionsforum in der City Galerie für Organspenden. Veranstalter des Forums war Rotaract, die Jugendorganisation der Rotarier.

Neben Willy Ried und Otto Gemming saß auch Wilfried Schäfer aus Bebra auf dem Podium, der 1995 eine Herztransplantation hatte. Für die fachliche Seite waren Liubov Amusina von der Deutschen Stiftung Organtransplantation sowie Dr. Reinhard Funck, der Chefarzt der Klinik für Kardiologie, und Dr. Axel Saure, Leitender Oberarzt für Neurologie, beide am Klinikum Bad Hersfeld, zuständig. Moderiert wurde die Veranstaltung von Kristina Marth von der Hersfelder Zeitung.

Zu wenige Organspender

Rund 12 000 Patienten in Deutschland warten auf ein Spenderorgan, meist auf eine Niere, täglich sterben drei dieser Wartenden, weil kein geeignetes Organ verfügbar ist. Deshalb hat jetzt der Deutsche Bundestag das Organspendegesetz geändert. Ab sofort sollen alle Krankenversicherten einmal pro Jahr angeschrieben werden, ob sie bereit sind, Organe zu spenden. Das hält Dr. Axel Saure für eine gute Idee.

„Die Bürger sind zu wenig informiert“, stellt er fest. Denn normalerweise beschäftige man sich nur ungern mit dem eigenen Tod. Außerdem haben manche Patienten Angst, dass womöglich im Ernstfall nicht alles getan werde, um ihr Leben zu erhalten, weil die Spenderorgane benötigt werden.

Diese Angst sei unbegründet, versichert Dr. Saure. „Unser oberstes Ziel ist immer, dass ein Patient mit möglichst geringen Schäden überlebt“, erklärt der Arzt. Erst wenn der Hirntod zweifelsfrei festgestellt worden ist, dürfen Organe entnommen werden, sofern zuvor der Patient oder später dessen Angehörige eingewilligt haben.

Dies berührt aber neben medizinischen auch rechtliche und ethische Aspekte. „Im deutschen Recht gibt es keine Definition für den Tod“, sagte Liubov Amusina, wohl aber sei der Hirntod als „irreversibler Ausfall aller Bereiche des Hirns“ definiert. Wenn der Hirntod eintritt, ist es hilfreich, dass auch die Angehörigen um die Einstellung des Verstorbenen zur Organtransplantation wissen.

„Deshalb ist es wichtig, sich zu Lebzeiten bewusst mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen, eine Entscheidung zu treffen und festzuhalten“, sagt Dr. Reinhard Funck.

Wilfried Schäfer aus Bebra verdankt einer solchen Spenderentscheidung sein Leben. Seit 17 Jahren schlägt ein fremdes Herz in seiner Brust. Trotz der vielen emotionalen Eigenschaften, die dem Herzen zugeschrieben werden, spürt Schäfer keine Veränderung seiner Gefühlswelt. Verändert haben sich aber seine Gedanken.

„Früher habe ich mir nie Gedanken um Organspenden gemacht“, gibt er zu. Seit er selbst ein Spenderorgan erhalten hat, wirbt er für die Organspende – mit ganzem Herzen.

HinterGrund

Von Kai A. Struthoff

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