250 Dinge, die wir an der Region mögen (56): Archäologischer Wanderpfad am Eisenberg

Spaziergang durch die Zeit

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Der archäologische Wanderpfad dient im Winter auch als Langlaufloipe für Skifahrer.

NEUENSTEIN. Zu einem geschichtsträchtigen Spaziergang lädt der archäologische Wanderpfad am Eisenberg ein. Mit viel Glück hat man durch Ausgrabungen entlang des Weges menschliche Zeugnisse aus den verschiedenen Epochen gefunden und in Wanderstationen teilweise restauriert und erklärend dargestellt.

So erfährt man auf den insgesamt acht Stationen, wie etwa der Eisenberg im 14. und 15. Jahrhundert durch Eisenabbau zu seinem Namen kam und wird an mittelalterlichen Steinkreuzen, Kirchenruinen und neuzeitlichen Holzkohlemeilern vorbeigeführt.

Geheimnisvolle Hügel

 

Gleich an zwei Stationen warten die in unserer Region oft anzutreffenden geheimnisvollen Hügelgräber auf den Spaziergänger. Derartige Hügelgräber findet man in fast ganz Europa. Obwohl die Kommunikationswege zur Zeit ihrer Entstehung vor ungefähr 3500 Jahren nicht so weit fortgeschritten waren, wie heute, sind diese überregional ähnlich aufgebaut und lassen über große Flächen Europas auf gleiche Bestattungsformen schließen: Meistens liegt in der Mitte eines runden Erdhügels die bronzezeitliche Körperbestattung, oft mit bronzenen Beigaben, manchmal sogar mit silbernen oder goldenen. Der Tote wurde mitsamt seiner metallenen Besitzständen einer gefüllten Zucchini gleich in einen ausgehöhlten Baumstamm gelegt und meterhoch mit Erde bedeckt. Weiter höher findet man häufig viel später eingegrabene Urnen als keltische Nachbestattungen. Die Gräber wurden oftmals tausend Jahre später erneut genutzt, was auch ein überregionales Phänomen darstellt und vorsichtige Schlüsse zu einem vorgeschichtlichen übergreifenden und kontinuierlichen Kulturraum zulassen kann.

Feuerbestattung

Auch wenn die Kelten im Vergleich zu den Bronzezeitlern die Feuerbestattung und Urnenbeisetzung bevorzugten, nutzten sie dafür doch die Gräber der Menschen, die lange Zeit vor ihnen an denselben Stellen siedelten und bestatteten. Ob es sich dabei um ihre direkten Vorfahren handelt, ist, wie vieles aus der Vorgeschichte unserer Region ungewiss.

Kleines Wunder

Es ist ein kleines Wunder, dass viele dieser Gräber die Zeiten überdauerten, denn viele wurden auch zerstört. Davon zeugt leider auch ein geplündertes Hügelgrab am Eisenberg.

Anfahrt: Der Parkplatz für den Wanderweg ist von Raboldshausen aus erreichbar. Er liegt in einer Kurve. Der Weg ist etwa 5,7 Kilometer lang und führt teilweise durch den Wald.

Von Oliver Desoi

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