Montagsinterview mit Jan Luley über den 30. Bad Hersfelder Live-Jazz

Spaß-Musik für alle

Bad Hersfeld. 30 Jahre wird der Bad Hersfelder Live-Jazz (31. Mai bis 2. Juni) alt, und genauso lange ist er untrennbar mit dem Namen Luley verbunden: Vater Roland zeichnete das Jazzmännchen, das schon in den Anfängen des Live-Jazz verwendet wurde und seit 2007 offizielles Logo des Festivals ist. Er spielte erst in der Hot Washboard Swing Company, später in der Hot Swing Company, während Sohn Jan zunächst noch vor der Bühne stand. Heute ist der Junior, der sich für eine Karriere als Jazzpianist entschied und in diesem Jahr sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert, künstlerischer Leiter des Wochenend-Festivals, das er seit 2007 gemeinsam mit Philipp Kaufmann organisiert. Wir sprachen mit Jan Luley über Gegenwart und Zukunft des Live-Jazz.

Herr Luley, 30 Jahre sind eine lange Zeit. Schaut man trotzdem immer nur nach vorne oder doch gerne auch zurück?

Jan Luley: Gerne auch zurück, denn der Name Luley ist ja seit dem ersten Live-Jazz dabei. Die Hot Washboard Swing Company hat das damals gemeinsam mit Uli Bergmann, dem Vorsitzenden der Werbegemeinschaft, ins Leben gerufen. Und seitdem war auch mein Vater immer irgendwie dabei. Auch wenn er später in einer anderen Band gespielt hat, weil sich die eine geteilt hat. Aber das hat sowieso kein Herschfeller mehr kapiert, wer da in welcher Band spielt ... (lacht)

Hatte der Live-Jazz Einfluss auf Ihre Entscheidung, sich beruflich der Musik zuzuwenden?

Luley: Nun, der Live Jazz hatte da bestimmt auch einen Samen gelegt, das war immer was Besonderes für mich, schon als Kind. Und ich habe auch alle Buttons gesammelt. Aber letztendlich entscheidet man sich nicht einfach so für einen Beruf wie „Jazzpianist“, das passiert von innen heraus, das ist mehr eine Berufung als ein Beruf.

Das diesjährige Eröffnungskonzert steht unter der Überschrift „The Mighty Thirty Party – 30 Jahre Live-Jazz & 30-jähriges Bühnenjubiläum Jan Luley“. Gibt es da Parallelen?

Luley: Viele! Zum einen werden viele Bands und Musiker bei der „Mighty Thirty Party“ dabei sein, die auch eine starke Verbindung zum Live-Jazz haben, weil sie im Laufe der Zeit immer wieder mal dabei waren. Und mit den meisten von ihnen ist auch meine Karriere verbunden. Mit einigen habe ich oft auf der Bühne gestanden, die N’Awlins Brass Band, Angela Brown, die Barrelhouse Jazzband, bei der ich ganze zehn Jahre festes Mitglied war. Und dann die GBO Bigband der Modellschule Obersberg unter Leitung von Helgo Hahn – der die Band übrigens auch 1984, im Jahr des ersten Live-Jazz, übernommen hat. Mit dem GBO beginnt der Jazz in Bad Hersfeld. Einige, die dort angefangen haben, sind später Musiker geworden oder betreiben die Musik heute noch aktiv.

Wenn Sie den Live-Jazz charakterisieren würden, wofür steht die Veranstaltung heute?

Luley: Der Live-Jazz steht für eine breite Spannweite an musikalischen Stilen rund um Jazz und Blues, er steht für qualitativ ausgezeichnete Bands, die einem großen Publikum einfach Spaß machen sollen – egal, ob das ein ausgebildeter Jazz-Fan ist oder jemand, der mit dem Wort „Jazz“ eigentlich nichts anzufangen weiß: Es soll Spaß-Musik für alle sein. Jazz war ursprünglich Tanzmusik und pures Entertainment.

Mit-Organisator Philipp Kaufmann wird sich demnächst beruflich verändern und Bad Hersfeld verlassen. Ist die Zukunft des Live-Jazz infrage gestellt?

Luley: Mit Sicherheit nicht. Wenn die Stadt und unsere Partner und Sponsoren das Festival weiterhin unterstützen, dann denke ich, dass es auf jeden Fall weitergeht. Live- Jazz gehört zu Bad Hersfeld, das kann ich mir nicht anders vorstellen.

Wenn Sie auf das Programm des 30. Live-Jazz schauen, worauf freuen Sie sich da besonders?

Luley: Klar, auf das Eröffnungskonzert am Freitag in der Stadthalle, denn da sind ungefähr 50 Musiker beteiligt. Da gibt es sicherlich ein paar Überraschungen. Und am Samstag freue ich mich auf Big Daddy Wilson und sein Trio, und abends auf Boppin’ B - da geht die Post ab mit Rockabilly.

Von Karl Schönholtz

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