Wochenendporträt: Sex gegen Geld – Eva arbeitet seit 17 Jahren als Prostituierte

Der Spaß ist längst vorbei

Auch auf der Straße hat Eva ihre Dienste angeboten, inzwischen arbeitet sie als Wohnungsprostituierte – auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Foto: dpa/Archiv

Hersfeld-Rotenburg. Lange Haare, graue Jacke, Jeans, eine modische Handtasche. Im Alltag ist Eva (Name geändert) eine Frau wie viele andere auch. Im Internet preist sich die 38-Jährige als „scharfe Blondine mit sexy Traumfigur und drallen 80C-Brüsten“ an.

 Eva arbeitet als Prostituierte. Seit 17 Jahren sei sie im Geschäft. Peinlich ist ihr das nicht. „Ich stehe dazu“, sagt sie. Nur ihrer Mutter und zwei Geschwistern mag sie nichts davon erzählen .„Als ich es meiner Mutter das letzte Mal berichten wollte, wurde sie schwer krank.“ Auch ihretwegen arbeitet Eva weiter als Prostituierte – um genug Zeit zu haben und des Geldes wegen, auch wenn das Geschäft längst nicht mehr so gut laufe wie zu Anfang. Die Konkurrenz, vor allem aus Osteuropa, ist groß, die Preise seien im Keller. Abgerechnet wird pro Stunde beziehungsweise je nach Service. Evas Stundenlohn liegt bei 130 Euro. Manche Damen geben sich mit weniger zufrieden.

Zimmer gemietet

Auch in Hersfeld-Rotenburg bietet Eva von Zeit zu Zeit ihre Dienste als scharfe Blondine an – in einem gemieteten Zimmer, eine Woche lang, täglich von 10 bis 23 Uhr. Ihre Kunden spricht sie im Internet und mit Zeitungsannoncen an. „Eigentlich komme ich aus einer konservativen Familie“, berichtet die 38-Jährige. Vom Dorf sei sie als junges Mädchen in eine niedersächsische Großstadt gezogen, um dort eine Lehre als Friseurin zu beginnen. Ihr knappes Lehrlingsgehalt besserte sie mit einem Nebenjob in einer Kneipe auf. „Als dort nur noch Studenten beschäftigt wurden, habe ich mich in einem Nachtclub vorgestellt, der in der Zeitung inseriert hatte.“

Dort bediente Eva nach der Arbeit im Salon fortan an der Bar und verdiente als 18-Jährige viel Geld. „Aufs Zimmer gegangen bin ich nie“, so Eva. Irgendwann bedrängte sie aber eine ältere Kollegin, sie und einen mit Champagner spendablen Stammgast zu begleiten. In Unterwäsche saß sie auf der Badewanne, während die beiden sich „vergnügten“. 1000 D-Mark für den ganzen Abend nahm Eva mit nach Hause.

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Während der Gesellenprüfung als Friseurin ruhte das Nachtclub-Geschäft erstmal, doch einige Zeit später fing Eva an in einer Tabledance-Bar zu tanzen, den Friseurjob kündigte sie. „Die Hemmschwelle sank und mit der Theke hatte ich irgendwann nichts mehr zu tun.“ Ihre beste Freundin habe sich deshalb abgewandt.

Laufhaus und Straßenstrich

Auf dem Straßenstrich und in einem Laufhaus bot sich die Prostituierte an, ihr Gewerbe hat sie ordnungsgemäß angemeldet. Mittlerweile arbeitet Eva nur noch vierzehn Tage im Monat, um genug Zeit für ihre kranke Mutter zu haben. „Knopf an, Knopf aus“, sagt Eva, die trotz ihres Jobs seit vielen Jahren einen festen Partner hat: „Man muss miteinander reden können, auch über die Arbeit.“

Wie lange sie ihren Körper noch verkaufen will? „Ein Jahr auf jeden Fall noch, egal wie. Die Gäste und der Service haben sich verändert. Die Zeiten, in denen ich Spaß hatte, sind lange vorbei.“

 

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Von Nadine Maaz

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