Windkraftanlagen heftig umstritten bei Diskussion in der Jakob-Grimm-Schule

Spargel bei den Grimms

Sie diskutierten über die Energiewende in der Jakob-Grimm-Schule: (von links) die Moderatorinnen Svea Feldmann und Lara Markovic, Bundestagsabgeordneter Helmut Heiderich (CDU), Landtagsabgeordneter Torsten Warnecke (SPD), der den Bundestagsabgeordneten Michael Roth abgelöst hatte, und die Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch (Die Grünen). Foto: Schäfer-Marg

Rotenburg. Für die Eine ist eine Windkraftanlage ein Symbol des Fortschritts, für den Anderen gilt sie als Renditeobjekt, das die Bürger in Waldhessen belastet und Aktiengesellschaften die Taschen füllt. Genug Zündstoff also für eine Diskussion, zu der Schüler aus Politik-Leistungskursen der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule die heimischen Bundesstagsabgeordneten eingeladen hatten. Thema war die Energiewende.

Helmut Heiderich (CDU) und Nicole Maisch (Die Grünen) zeigten sich in ihren Positionen am weitesten auseinander. Für Michael Roth (SPD), der eine dezentrale Energieversorgung favorisiert, sprang aus Termingründen später Landtagsabgeordneter Torsten Warnecke ein. Der verteufelte die Windkraft weder, noch bejubelte er sie.

Kein Naturschutzrabatt

Die Abgeordneten hatten viel Raum, ihre Thesen vorzustellen, daher fiel die Debatte um die Energiewende vor Ort ein wenig zu kurz aus. Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald etwa beklagte, dass der Bau von Windkraftanlagen durch restriktiv gehandhabte Umwelt- und Naturschutzauflagen stark eingeschränkt werde. Im Zubra-Raum Bebra, Rotenburg und Alheim etwa gebe es eine große Bürgerakzeptanz sowie das Bemühen um Bürgerbeteiligung an den Windkraftanlagen. Die Kasseler Abgeordnete Nicole Maisch, die sich im Regionalausschuss mit der Windkraftplanung befasst und grundsätzlich für den Ausbau dieser regenerativen Energiegewinnung ist, wich nicht zurück: Es dürfe keinen Naturschutzrabatt für erneuerbare Energien geben. Standorte dürfe es nur dort geben, wo der Naturschutz objektiv gewahrt bleibe. Durch geschickte Planung könne man allerdings vieles erreichen, meinte sie.

Helmut Heiderich dagegen sieht den Wahlkreis zu einer Windspargelplantage mutieren. Der Zuwachs an diesen Anlagen verschandele die Grimm-Heimat Nordhessen und gehe voll am Bürger vorbei. Der habe nur die Belastung und müsse zudem für die Energiewende zusätzliche Stromkosten zahlen. Kasse machten die Konzerne. Maisch konterte: Das Hexenhaus von Hänsel und Gretel habe auch nicht an Autobahnen gelegen – und die gebe es viel häufiger in der Region.

In der Schublade

Heiderich beklagte, dass alle anderen Formen zur Energiegewinnung wie Biogas- und Solaranlagen gegenüber der Windkraft schlechter gestellt worden seien. Moderne Technologie wie zum Beispiel die Entwicklung der Co2-neutralen Kohleverbrennung seien wieder in der Schublade verschwunden. Das Ziel, Kohlendioxid einzusparen, sei bisher nicht erreicht worden.

Da widersprachen auch die anderen Teilnehmer nicht, verwiesen aber zum Beispiel auf den Einsatz veralteter Kohlekraftwerke. Der steigende Strompreis hänge mit den vielen Ausnahmeregelungen für die Industrie zusammen (Maisch). Torsten Warnecke ergänzte, der Neubau von Kohlekraftwerken bliebe auch nicht kostenlos für die Verbraucher.

Von Silke Schäfer-Marg

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