Orgelfestkonzert mit der Hersfelder Kantorei und dem Eisenacher Kammerorchester

Spannung in der Kirche

Die Hersfelder Kantorei und das Eisenacher Kammerorchester unter dem Dirigat von Kirchenmusikdirektor Martin Bartsch. Fotos: Bertram Lenz

Bad Hersfeld. Wie spannungsreich und berührend zugleich Kirchenmusik sein kann, durften die Zuhörerinnen und Zuhörer des Orgelfestkonzertes am Sonntagabend in der Stadtkirche Bad Hersfeld erleben. Brausende Klänge wechselten ab mit sanften elegischen Weisen, dargeboten von hervorragend miteinander harmonierenden Ensembles und Solisten.

Berührendes Erlebnis

Für die Besucher war es ein berührendes und beeindruckendes Erlebnis, die mit tatkräftiger ideeller und materieller Unterstützung – besonders auch seitens der Bevölkerung – neu gebaute Große (Eule)-Orgel der Stadtkirche hören zu können. Holger Gehring, selbst einst Kantor an der Stadtkirche und jetzt an der Kreuzkirche in Dresden tätig, zeigte in seinem ausgefeilten und intensiven Spiel die ganze erlesene Klanggewaltigkeit dieses Instruments auf, was insbesondere in Francis Poulenc „Konzert für Orgel, Streicher und Pauken in g-Moll“ zum Ausdruck kam, das mit brausender – geradezu explosiver Wucht – dargeboten wurde. Allerdings ohne den atmosphärischen Rahmen des Gotteshauses aus den Augen zu verlieren.

Kongeniale Unterstützung wurde „Geburtstagskind“ Gehring durch Artur Jurczyk an der Chororgel, durch die Hersfelder Kantorei und durch das Eisenacher Kammerorchester unter der gemeinsamen stringenten Leitung von Kirchenmusikdirektor Martin Bartsch zuteil, wobei insbesondere der Klangteppich der Streicher wie geschaffen war für die Große Orgel, um deren Pracht entfalten zu können. Das Ganze wurde abgerundet durch exzellente Solisten wie Konzertmeister Seth Taylor an der Violine, Zsolt Nagy-Major an der Trompete oder auch durch Ulrike Zott am Kontrabass, die dazu beitrugen, das anspruchsvolle Programm zu einem intensiven Hör-Erlebnis werden zu lassen. Neben dem bereits erwähnten Werk von Poulenc boten die Musici die Missa Brevis „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ von Johann Nikolaus Bach sowie die beiden Kantaten des gleichsam bekannteren Johann Sebastian Bach „Jauchzet Gott in allen Landen“ und „Wir danken Dir, Gott, wir danken Dir“ dar.

Eine adäquate Ergänzung erfuhren die Ensembles durch vier weitere Solisten: Christina Wieland ergötzte mit einem schlanken, klaren und nichtsdestotrotz „starken“ Sopran, Regina Wahl mit ihrer entspannten und geschmeidigen Altstimme, der eine romantische Färbung nicht abzusprechen ist. Dass Franz-Peter Huber sich in einer solchen Atmosphäre wie der Hersfelder Stadtkirche sichtlich wohl fühlte und mit seinem akzentuierten wohl tönenden Bass die Zuhörer für sich einzunehmen verstand, ist kein Wunder, wirkt Huber doch als Kapellmeister am Dom zu Fulda und als Dirigent des Fuldaer Domchores. Ralf Emge schließlich ist ein lyrischer Tenor par excellence, dem die musikalische Auswahl dieses Festkonzertes sehr entgegen kam.

Spärlich besetzt

Nach knapp eineinhalb Stunden wurden die Darbietenden mit lang anhaltendem Beifall von den Zuhörern verabschiedet. Von denen es gerne hätten mehr sein können, denn im Gegensatz zur Empore war der Innenraum leider eher spärlich besetzt.

Von Bertram Lenz

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