64. Bad Hersfelder Festspiele: Pressestimmen zu Holk Freytags „Maria Stuart“

Spannender Politthriller

Marie Therese Futterknecht (Mitte, mit ihren Hofdamen) ist für ihre eindringliche Darstellung der Maria Stuart nicht nur mit dem Großen Hersfeldpreis ausgezeichnet worden, sondern wurde auch von allen Kritikern gelobt. Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. Überwiegend begeistert waren die Kritiker von der Eröffnungspremiere der Bad Hersfelder Festspiele. Holk Freytags Inszenierung des Schiller-Dramas „Maria Stuart“ wurde als spannender, toll strukturierter Politthriller mit überzeugenden Schauspielern (HNA Kassel) gelobt. Die Kritikerin würdigt zudem die Darstellerin der Maria Stuart, Marie Therese Futterknecht, als irisierendes Kraftzentrum und hat bei Gerit Kling in der Rolle der Elisabeth gesehen, wie ihre Körperhaltung mit ihrer Selbstgewissheit als Königin korrespondiert.

Von einer „furiosen Eröffnungspremiere“ und einem Triumph für Inszenierung und Ensemble spricht der Kritiker der Fuldaer Zeitung. „Ganz auf Sprache und Rhythmus konzentriert arbeitet der Regisseur aus der äußerst effektvollen und raffiniert kalkulierten Vorlage den politischen und persönlichen Streit zweier Frauen heraus, die sich in nichts nachstehen“, stellt er fest.

„Freytag konzentriert sich auf das Wesentliche und setzt in seiner dialoglastigen Inszenierung ganz auf die Kraft des Textes“, stellt der Rezensent der Deutschen Presseagentur (dpa) fest, die in zahlreichen Zeitungen in Deutschland zu lesen war. Seiner Meinung nach mangelte es jedoch an optischen Glanzlichtern. „Das puristische Bühnenbild blieb übersichtlich und bestand nur aus einigen Stühlen“, bemängelt er.

Starke Bilder vermisst auch der Rezensent des Göttinger Tageblatts. Das Bühnenbild, für das Freytag ebenfalls verantwortlich sei, sei keines, stellt er fest. Lob gibt es von ihm für Marie Therese Futterknechts Darstellung der Maria voll Seele und Emotionalität. Gerit Kling als Elisabeth dagegen verharre in Posen und sei nie authentisch, meint er. Völlig absurd fand der Kritiker aus Göttingen zudem den Einfall des Regisseurs, den französischen Gesandten als schlechte Kopie von Karl Lagerfeld spielen zu lassen.

Ein „Lehrstück über die Macht“ hat die Kritikerin der Südthüringer Zeitung gesehen. „Die Eröffnungspremiere lässt den Atem stocken angesichts ihrer Aktualität, die Machtkämpfe auf der Bühne kommen einem bestens bekannt vor. Folgerichtig also, dass Intendant Holk Freytag die Darsteller in Business-Kleidung auftreten lässt und dass er hauptsächlich auf die Wirksamkeit des Textes, das Können seiner Darsteller und die Ausstrahlung der Stiftsruine setzt.“

„Großes Theater“ hat den Kritiker des Online-Portals Osthessen-News begeistert. Freytag bringe die großen Fragen des Lebens auf die Bühne und wahre dabei ihre historische Dimension ebenso wie er ihre Aktualität herauszustellen verstehe. Er fand das Bühnenbild „wunderbar sparsam“. Es sorge für eine Dimension der Zeitlosigkeit, meint er. „Futterknecht füllt die Rolle mit Würde und Leichtigkeit, ohne dass Kostüm oder Requisite von ihrem elementaren Spiel ablenken“, lobt er. Gerit Kling erscheine dagegen etwas weniger direkt.

Holk Freytag habe wie gewohnt bei der Besetzung der Rollen Genie bewiesen, schwärmt der Kreisanzeiger. Hauptdarstellerin Marie Therese Futterknecht biete ein beeindruckendes Repertoire von der brabbelnden, fast schon vor Verzweiflung irre gewordenen Gefangenen bis hin zur stolzen Königin. Gerit Kling als ihre Gegenspielerin wirke mitunter „geradezu zerbrechlich“. Weitere Vorstellungen: 30. Juli und 2. August, jeweils 21 Uhr.

Von Christine Zacharias

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