Bildungspaket ist bürokratische Hürde für bedürftige Familien

Sorgenkinder kommen nicht mehr zum Essen

Hersfeld-Rotenburg. Stark zurückgegangen ist die Zahl der Kinder, die in den Grund- und Förderschulen des Kreises zu Mittag essen. So nehmen an der Ernst-von-Harnack-Schule in Bad Hersfeld an drei Tagen nur noch je 40 Kinder die Mittagsmahlzeit ein, während es im vergangenen Schuljahr noch etwa 60 waren. Die Zahl ist auch deshalb so aussagekräftig, weil die Schule jetzt sogar eine Klasse mehr hat, erklärte Rektorin Karina Schnaar.

An der Rotenburger Grundschule haben nach Auskunft von Leiterin Birgit Köberich zuvor etwa 100 Kinder täglich gegessen, jetzt sind es nur noch maximal 65. Bis zu 70 Kinder täglich wurden in der Vergangenheit unbürokratisch von der Karl-Kübel-Stiftung unterstützt, die das Essen bis Juni bezuschusste. Trotz intensiver Bemühungen der Schule wurden bisher nur 31 Anträge auf Bezuschussung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gestellt.

Gerade die Sorgenkinder kommen nicht mehr, die man mit Mittagsverpflegung und Ganztagsbetreuung erreichen wollte, sagt Köberich. Mit dem Bildungspaket habe man weniger statt mehr Teilhabe bedürftiger Kinder erreicht, und dies gepaart mit Mehrarbeit an den Schulen. Geld gibt es nämlich nur, wenn jedes einzelne Essen jedes Kindes nachgewiesen wird und die Eltern monatlich mit dem Kreis abrechnen.

Auch bei der Kreisverwaltung sieht man das Problem. Die verlangten Einzelnachweise seien eine Zumutung vor allem für Familien mit mehreren Kindern, erklärte Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz (SPD). Sie begrüßt die Initiative der Grund- und Förderschulen im Kreis, die in einem Arbeitskreis einen Vorschlag zur Vereinfachung der Abrechnung ausgearbeitet haben. Man prüfe, ob dieser Vorschlag umgesetzt werden könne, sagte Künholz, und verweist auf Vorgaben vom Bund, die der Kreis erfüllen muss. ZUM TAGE / NÄCHSTE SEITE

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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