Montagsinterview: Tierärztin Antje Fey-Spengler zum Umgang mit Tieren im Sommer

Sonnencreme für Katzen

Tierärztin Antje Fey-Spengler mit einem ihrer vierbeinigen Patienten. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. Die Sommerzeit ist die Zeit der Fundtiere. Sommerhitze macht aber auch gewissenhaften Tierhaltern und ihren Vierbeinern zu schaffen. Wir sprachen aus diesem Anlass mit Tierärztin Antje Fey-Spengler über Verantwortung beim Tierkauf, Katzen mit Sonnenbrand und verwaiste Wildtiere.

Auch in diesen Sommerferien sind die Tierheime prall gefüllt. Sind viele Menschen bei der Anschaffung eines Tieres einfach zu leichtfertig?

Antje Fey-Spengler: Ja. Vor allem machen sich viele keine Gedanken, was mit ihrem Tier passieren soll, wenn sie in den Urlaub fahren. Ein Tier ist schnell zu Weihnachten angeschafft, aber im Sommer ist es im Weg. Das trifft die kleinen Tiere, aber auch Pferde. Über das Internet kann man sich sehr schnell und für wenig Geld Tiere besorgen. Das ist ein großes Problem. Keiner fragt nach, welche Voraussetzungen man hat, um ein Tier zu versorgen.

Hat sich dieses Problem durch das Internet verschlimmert?

Fey-Spengler: Ja. Früher waren es hauptsächlich Hunde und Katzen. Über das Internet werden heute auch Pferde leichtfertig gekauft. Sie werden als Beistellpferde günstig angeboten. Dass ein Pferd im Unterhalt sehr teuer ist, wird dabei nicht bedacht.

Für alle, die noch in den Urlaub wollen oder schon an die nächste Reise denken: Wo finde ich einen guten Platz für meinen Vierbeiner?

Fey-Spengler: Es muss nicht nur das Tierheim sein, es gibt im Umkreis auch einige Tierpensionen. Die kümmern sich auch sehr gewissenhaft um die Tiere.

Ist es eine Alternative, das Tier mit in den Urlaub zu nehmen?

Fey-Spengler: Hunde mögen das lieber. Für Katzen ist es weniger schön. Bei Katzen ist es das Optimale, wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung betreut werden. Hunde lieben es, mit ihrem Rudel mitzukommen. Man sollte dafür sorgen, dass sie genügend Platz im Auto haben und regelmäßig Rast machen, dass sie trinken und sich lösen können. Bei Auslandsreisen müssen die Tiere mit einem EU-Pass ausgestattet sein, sie sollten geimpft sein und insbesondere in den südlichen Ländern sollte die Parasiten-Prophylaxe berücksichtigt werden.

Heiße Tage gibt es im August auch in unseren Breitengraden. Wie kann man Haustieren diese Zeit erleichtern?

Fey-Spengler: Das kommt darauf an, ob es ein gesundes oder ein krankes Tier ist. Bei kreislaufgefährdeten Hunden sollte man in frühen Morgenstunden oder in späten Abendstunden die größeren Runden machen. Was auch hilft, ist, sie mit Wasser abzuspritzen oder sie mit einem feuchten Handtuch abzureiben. Es ist auch eine Möglichkeit, sie zu scheren. Dann ist der Hitzestau nicht ganz so groß.

Können Haustiere einen Sonnenbrand bekommen?

Fey-Spengler: Ja. Besonders trifft das die hellhäutigen Tiere. Es gibt zwar auch Hunde mit weißem Fell, aber dunkel pigmentierter Haut. Hell Pigmentierte sind sehr empfindlich. Noch empfindlicher sind Katzen, die Sonnenbrand insbesondere an den hellen Ohren und an den Nasen bekommen. Da hilft übrigens auch Sonnencreme.

Für Schlagzeilen sorgt das sogenannte Animal-Hording, also das krankhafte Sammeln von Tieren. Ist das auch in unserer Region ein Problem?

Fey-Spengler: Es findet sicherlich nicht in jedem zehnten Haushalt Animal-Hording statt. Das wäre übertrieben. Durch Internet und Fernsehen hören wir wesentlich öfter davon. Es ist schon auch hier ein Problem. Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg gibt es zumindest auffällige Situationen.

Auch bei uns versuchen Menschen, kleine Waschbären oder Rehkitze mit der Flasche aufzuziehen. Ist das sinnvoll oder falsch verstandene Tierliebe?

Fey-Spengler: Wenn erst mal ein mutterloser Waschbär oder ein mutterloses Rehkitz da ist, verbietet mir das Tierschutzgesetz, es einzuschläfern. Man darf es nicht einfach umbringen. Insofern müssen sie großgezogen werden. Rehkitze können durchaus wieder ausgewildert werden. Waschbären gehören eigentlich nicht in die Gegend, sind aber hier. Die müssen großgezogen und eventuell in ein Gehege gebracht werden.

An wen sollte man sich wenden, wenn man auf dem Dachboden einen verwaisten Waschbären findet?

Fey-Spengler: Wir Tierärzte wissen zumindest, wie man sie versorgt. Im Internet findet man aber auch Waschbär-Sammelstellen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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