Dr. Michael Fleck hat den heiligen Heimerad für Hersfeld entdeckt – Buchpräsentation

Sonderbar – doch modern

Hat einmal mehr Bahnbrechendes geleistet: Nach Lebensbeschreibungen von Lullus und Wigbert hat der bekannte Bad Hersfelder Historiker Dr. Michael Fleck jetzt eine vom Hersfelder Mönch Ekkebert verfasste Vita des Heiligen Heimerad neu herausgegeben, übersetzt und erläutert. Zur Präsentation lädt der Hersfelder Geschichtsverein am Montag, ab 19.30 Uhr, in die Stadthalle ein. Foto: Apel

Bad Hersfeld. Schon um die Erforschung der Lebensbeschreibungen der Stadtheiligen Lullus und Wigbert hat er sich verdient gemacht. In seiner neuesten Veröffentlichung stellt der Bad Hersfelder Historiker Dr. Michael Fleck jetzt den heiligen Heimerad vor, der im Jahre 1015 ins Kloster Hersfeld kam, der in der Lullusstadt jedoch weitgehend unbekannt ist.

Vielleicht liegt das daran, dass Heimerad es hier nicht lange ausgehalten hat, dass er nach scheinbar unstetem Wanderleben vier Jahre später gestorben ist und dass er als „seltsamer Heiliger“ in die Geschichte eingegangen ist. Das, was die Nachwelt von ihm weiß, verdankt sie vor allem dem Hersfelder Mönch Ekkebert, einem Mitbruder von Lampert von Hersfeld, der die Lebensgeschichte des Stadtgründers Lullus aufgeschrieben hat.

Grundlagenforschung

Der ungezählten Schülergenerationen bekannte Altphilologe musste Grundlagenforschung leisten, ehe er die von Ekkebert verfasste Lebensbeschreibung Heimerads auf Vorschlag der Historischen Kommission für Hessen als „kleinen Text mit Übersetzung“ neu herausgeben konnte. Schnell nämlich stellte sich heraus, dass das zur Verfügung stehende Manuskript eine schlechte Übersetzung des 1852 veröffentlichten Urtextes war und dass auch dieser an vielen Stellen fehlerhaft war, wie sich bei einem Vergleich der sechs vorliegenden Abschriften des eigentlichen Urtextes ergab. Es galt also, einen lesbaren und korrekten Text anzufertigen, ihn zu übersetzen und zu kommentieren.

Um bei einem breiteren Publikum Interesse zu wecken, nahm Fleck aber nicht nur diese Arbeit auf sich. Er versah sein neues Werk auch mit einer umfangreichen Einleitung. In ihr und in der Übersetzung erfährt man, dass der Hersfelder Abt Arnold im Frühjahr des Jahres 1015 im Kloster Memleben weilte, das gerade dem Kloster Hersfeld unterstellt worden war, und dass Arnold den dort als Weltgeistlichen lebenden Heimerad überredete, mit nach Hersfeld zu kommen. Hier angekommen bat Heimerad aber schon nach kurzer Zeit um Entlassung.

Abt stinksauer

„Stinksauer“ stimmte der Abt zu, so Dr. Fleck. Als Heimerad sich als Bruder des Kaisers ausgab, ließ Arnold ihn auspeitschen. Aber Heimerad konnte sich retten. Über die Stationen Kirchberg bei Fritzlar und Kirchditmold bei Kassel gelangte er nach Paderborn, wo er verwahrloste und wo ihn auch Bischof Meinwerk auspeitschen ließ.

Wie es sich fügte, dass Meinwerk auf wundersame Weise sein Freund wurde und dass am Aufenthalts- und Sterbeort von Heimerad, am Hasunger Berg bei Zierenberg, ein Kloster errichtet wurde, zu dessen erstem Abt Lampert von Hersfeld ernannt wurde, all das wird Dr. Fleck anlässlich einer Präsentation seines neuen Buches am Montag, 31. März, 19.30 Uhr, im Konferenzraum 2 der Stadthalle beleuchten. Dabei versucht er, der für die frühe Hersfelder Geschichte bedeutenden Gestalt des Heimerad auch insoweit gerecht zu werden, als dieser ein Leben von höchster Askese führte, vielleicht gerade deshalb Schwierigkeiten mit der organisierten Kirche hatte, vielleicht gerade deshalb aber auch immer Zulauf von vielen Menschen.

Von Wilfried Apel

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