Bad Hersfelder Festspiele: Zauberhaftes auf der Spielwiese

„Sommernachts-Träumereien“ im zweiten Jahr noch besser

Bad Hersfeld. Die heißen, verwirrenden, lustvollen, zauberhaften Träume einer Sommernacht - vom Kobold Puck eingefangen in einem winzig kleinen Kistchen und darin aufbewahrt für alle, die sie sehen wollen - Joern Hinkels Bad Hersfelder Version von Shakespeares „Sommernachtstraum" fasziniert auch im zweiten Jahr.

Die lange Pause hat der Inszenierung nicht geschadet, sie ist in der Wiederaufnahme eher noch klarer, noch straffer geworden. Neben einigen neuen Darstellern, sorgen auch neue Ideen für zusätzliche Akzentuierung. Charlotte Puder zeigt einen zauberhaften, verspielten, boshaften und witzigen Puck, Viola von der Burg setzt ihre außerordentliche Schauspielkunst vor allem in ihrer Körperhaltung als ihre Gefährtin Hippolyta liebende, deren Verlobten Theseus aber verachtende Bleiche Dame sowie als rätselhafte Elfe ein und Helen Woigk ist eine sehr junge und naive, zugleich rebellische und leidenschaftliche Hermia.

Doch auch das Wiedersehen mit den Darstellern des vergangenen Jahres ist eine Freude: Christian Schmidt als eitler, machtverliebter, seine Gewalttätigkeit kaum unter Kontrolle haltender Fürst Theseus und durchtriebener und sehr viriler Elfenkönig Oberon und Géraldine Diallo, die sich von einer puppenhaft wirkenden Hippolyta zu einer sehr energischen, sinnlichen, gefühlvollen und machtbewussten Titania wandelt.

Ihren Gefühlen ausgeliefert sind neben Helen Woigk als neue Hermia, Ute Reiber als verstörend unterwürfige Helena, Raúl Semmler als schwankender, von seinen Trieben übermannter Lysander und Peter Englert als schmieriger, unsensibler, auf seine Rechte pochender Demetrius.

Eine Wand und ein Löwe

Mit ihrer Geradlinigkeit, ihrer gespielten Unbeholfenheit und ihrer ausdrucksstarken Darstellung begeistern wieder die Handwerker, allen voran André Eisermann als selbstverliebter, über die Geheimnisse des Lebens grübelnder Zettel und Markus Majowski als sich ständig in Fremdwörtern verfangender Peter Block. Auch er spielt in beiden Welten und ist zudem als eifriger, gestresster Haushofmeister Philostrat zu sehen. Doch auch Christopher Seban als ständig hungrigem Matz Schlucker, der die Frauenrolle der Thisbe auf sich nehmen muss, Bernd Schill als Tom Rohr, der eine Wand mimen muss und Joachim Götz als Hans Holzmann, der fürchtet, als Löwe die Damen zu sehr zu erschrecken, fliegen die Herzen des Publikums zu.

Erste Eindrücke von den Sommernachtsträumereien

Nicht zu vergessen die vielen Hersfelder Kleindarsteller, die die Sommernachts-Träumereien zu einem ganz besonderen Erlebnis machen.

Die phantasievollen Kostüme von Ella Späte, die mit ihrer Farbgebung (weiß für den Fürstenhof, rot und schwarz für die Fabelwesen und blau für die Handwerker) für zusätzliche Klarheit sorgen, sind auch im zweiten Jahr eine Freude.

Wiedersehen lohnt sich also und wer die vielschichtigen, hintergründigen Sommernachts-Träumereien noch nicht erlebt hat, sollte sich schnell Karten besorgen. Gespielt wird bis 31. Juli.

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