Kühler Frühling sorgt für geringe Anzahl an Wespen – Art ist nicht gefährdet

Sommer ohne Summen

Im Anflug auf ein Marmeladenbrot: Bilder wie dieses haben in diesem Jahr Seltenheitswert, denn es gibt nur wenige Wespen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich der kalte Frühling. Foto: dpa

Bad Hersfeld. Das warme Wetter im August und auch noch in den ersten Septembertagen machte es möglich – Frühstücken oder Kaffeetrinken auf Balkon oder Terrasse. Anders als im vergangenen Jahr war es dabei möglich, sich das Marmeladen-Brötchen oder auch den Zwetschenkuchen ohne die lästige Störung von Wespen schmecken zu lassen.

Kaum eines der schwarz-gelben Insekten verirrte sich an den gedeckten Tisch. „Dieser Eindruck täuscht nicht“, sagt Christa Siebold, Imkermeisterin aus Friedewald. „Im vergangenen Jahr gab es sehr viele Wespen, in diesem Jahr hatten wir einen kühlen Frühling mit einem regnerischen Mai. Da wurde die erste Brut der Wespen schlecht versorgt“, erklärt sie. Das Wetter sorgte dafür, dass die Wespen wenig Nahrung wie Blattläuse, Stechmücken und Fliegen fanden, mit der der Nachwuchs ernährt werden konnte. „Allerdings kann das im nächsten Jahr schon wieder ganz anders sein“, meint Siebold.

Nur Königin überwintert

Auch Helmut Schott, Zuchtwart des Imkervereins Bad Hersfeld, bestätigt, die geringe Anzahl an Wespen. „Meist kommen Wespen und schlecken bei uns im Bienenhaus das, was aus den Waben herausgetropft ist. Aber in diesem Jahr habe ich vielleicht drei Wespen gesehen“, berichtet der 80-Jährige und vermutet ähnlich wie Christa Siebold, dass der kalte Frühling für die geringe Population verantwortlich ist. „Die Wespe überwintert nicht als Volk, sondern es überwintert nur die einzelne Königin. Wahrscheinlich sind viele beim Nestbau erfroren“, so Schott. Auswirkungen auf das Ökosystem hat die geringe Anzahl an Wespen in diesem Jahr wohl nicht. „Ich denke, die Arten werden erhalten bleiben“, sagt Schott.

Das denkt auch Brigitte Martin, Wespenberaterin des Bund für Umwelt und Naturschutz Hessen. „Wenn das nur in einem Jahr der Fall ist, finden die Wespen weiterhin Möglichkeiten sich in der näheren Umgebung zu paaren“, erklärt sie und berichtet über geringere Nestgröße und kleinere Völker: „Im vergangenen Jahr bestand ein Volk aus etwa 6000 Wespen. In diesem Jahr hatte das größte Volk, das ich zu sehen bekommen habe, 2000 Wespen.“ Persönlich stellte Martin fest, dass die Zahl der Stechmücken zugenommen hat – die Mücken sind ein Hauptnahrungsmittel der Wespen.

Die Auswirkungen der geringen Wespenzahl bekam auch Schädlingsbekämpfer Marco Landow aus Bad Hersfeld zu spüren. Er musste in diesem Jahr deutlich seltener aufgrund von Wespen ausrücken. „Das war nicht vergleichbar mit dem vergangenen Jahr“, sagt Landow.

Schale mit Zuckerwasser

Sollte in den nächsten Tagen doch eine Wespe die Ruhe am Tisch stören, hat Brigitte Martin einen Tipp: „Man kann zehn Meter weiter einen flache Schale mit Zuckerwasser aufstellen. Dann suchen sich die Wespen ihre Nahrung dort und nerven nicht.“

Von Claudia Stehr

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