Heute Abend in der Stiftsruine: Maxim Gorkis „Sommergäste“ mit vielen Stars

Sommer-Idyll mit Rissen

Die geheimnisvolle Warwara (Charlotte Sieglin) verehrt den Schriftsteller Jakow Schalimow (Johannes Terne). Foto: Hartmann

Bad Hersfeld. Mit Maxim Gorkis Stück „Sommergäste“ steht heute Abend die dritte große Premiere der 60. Bad Hersfelder Festspiele auf dem Spielplan. In der Inszenierung von Jean-Claude Berutti ist eine Vielzahl bekannter Darstellerinnen und Darsteller zu sehen, so zum Beispiel Stefan Reck, Emanuela von Frankenberg, Lars Weström, Johannes Terne oder Hersfeldpreisträger Karsten Kramer.

Für die Stiftsruine hat Jean-Claude Berutti die Textfassung von Botho Strauß gewählt. Er habe Gorkis langes Stück sehr gut gekürzt und gestrafft, erklärt der Regisseur. Mit ihm gelinge ein direkter Einstieg in die Geschichte, wie in einem Kinofilm.

Und so erleben die Zuschauer auf der Bühne der Stiftsruine ein buntes Panoptikum einer sich auflösenden Gesellschaft. Sie sind Rechtsanwälte, Ingenieure, Ärzte, Schriftsteller, Studenten – die Bildungselite Russlands, die erste bürgerliche Generation in Russland, die kultiviert war, in Wohlstand lebt und den Sommer irgendwo fernab der Stadt im Grünen verbringt.

Doch das vermeintliche Idyll der Sommergäste bekommt sehr schnell Risse. Es geht um Liebe und Eifersucht, es geht um Lebensentwürfe für Frauen und Männer, die vorgegebene Bahnen verlassen wollen, es geht um nichts weniger, als die Frage nach dem Sinn des Lebens und nach der Realität, in der wir leben.

All das brodelt im Untergrund und bricht sich immer wieder Bahn. Jean-Claude Berutti war es jedoch ein Anliegen, das Komödiantische in den Vordergrund zu stellen, mit leichter Hand und doch mit Tiefgang zu inszenieren. Sein Ziel ist es, das Publikum gleichermaßen zu amüsieren und zum Nachdenken anzuregen. Für die Premiere am heutigen Abend und die folgenden Vorstellungen der Sommergäste gibt es noch Karten.

Von Christine Zacharias

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