Sommer-Gewitter über dem Ruinen-Rund

Kai A. Struthoff

In dieser Woche gab es in Bad Hersfeld und der ganzen Region eigentlich nur ein Thema: Das HZ-Sommer-Interview mit Bürgermeister Thomas Fehling wurde zum mächtigen Sommer-Gewitter. Natürlich freut man sich als Journalist, wenn die ganze Stadt über die Zeitung redet. Aber wir sehen auch mit Sorge, welchen Flurschaden Fehling mit seinen Attacken auf den Intendanten weit über die Stadtgrenzen hinaus angerichtet hat.

Mag sein, dass der Bürgermeister auch Zustimmung für seine drastischen Worte erhalten hat – alle Reaktionen, die wir gehört haben, reichen von ungläubigem Entsetzen bis hin zum heiligen Zorn. Auch in der Stadtverwaltung ballt wohl so mancher die Faust in der Tasche wegen Fehlings Ausspruch: „Wer den Teich trockenlegen will, darf nicht die Frösche fragen.“ Die Festspielakteure stellen sich jetzt demonstrativ hinter Holk Freytag. Und in den Leserbriefen und Internet-Foren erlebt der Bürgermeister einen wahren „Shit-Strom“ der Empörung.

Schlappe fünf Tage hat es hingegen gedauert, bevor sich auch die Mehrheitsfraktion aus SPD, Grünen und FWG gestern noch kurz vor Redaktionsschluss im Festspielstreit zu Wort gemeldet hat. Vermutlich lag man so lange in Schockstarre.

Alle andern Parteien schweigen weiter, oder sind womöglich alle verreist? Wo sind all die klugen Kommentare der Herren Bock und Grimm, die sich doch sonst so gern in der Zeitung lesen? Und was sagt eigentlich die FDP zum Agieren ihres Bürgermeisters? Vielleicht brauchen wir ja auch noch eine Bürgerinitiative „Rettet die Festspiele“, um unsere Stadtpolitiker auf Trab zu bringen. Fest steht, dass nun Vermittler gefragt sind, um den Festspielstreit zu schlichten. Denn ich glaube nicht, dass sich Holk Freytag und Thomas Fehling jetzt noch von allein zusammenraufen werden.

Am Sonntag findet in der Stiftsruine ab 11 Uhr ein großes Benefizkonzert der Festspieler für die Flutopfer statt. Tolle Künstler bieten ein tolles Programm – aber leider sind bislang erst rund ein Viertel der Karten verkauft. Der Konzertbesuch ist aber nicht nur wichtig für die Menschen im Hochwassergebiet. Das Konzert ist auch eine gute Gelegenheit, um unsere Solidarität mit unseren Festspielen in schwieriger Zeit zu bekunden.

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