Das Wichtigste ist für sie die Musik: Jugendliche suchen sich ihre Instrumente aus, üben und komponieren

Soloprojekt statt Flötenstunde

Sie lassen sich ihre Musik nicht nehmen: Johannes Herrmann, Julian Kesten, Julia Eiler (oben, von links), Jana Pistor sowie Max Reuning, Frederik Weiser, Ann-Kathrin Wenzel, Felix Zacharias und Christian Nieding von der Band „Blackout“ (Bild unten rechts). Fotos: Pistor / Bandfoto: Archiv

Bad Hersfeld. Julia zupft nachdenklich an den Saiten ihrer Akustikgitarre während Julian andernorts gerade wieder ein neues Musikstück komponiert, abmischt und im Internet veröffentlicht. Jana entlockt dem Didgeridoo fremde Töne, Johannes hat sich ein Schlagzeug zugelegt. Und Christian von der Band „Blackout“ aus Bad Hersfeld hört die Türglocke erst gar nicht, weil der Boden um ihn herum von den Schwingungen des Musikverstärkers vibriert.

Das hätten sich unsere Eltern damals nicht träumen lassen: Jugendliche, die freiwillig zum Musikinstrument greifen, sich das Spielen gleich selbst beibringen, täglich üben und ihre – oft selbst komponierten – Werke dann auch noch veröffentlichen. Während früher der obligatorische Blockflötenunterricht auf dem Programm stand, dem wir uns bei jeder Gelegenheit entzogen, geht es heute um Gitarre, Klavier, Saxophon, Geige oder Dudelsack. Das Wichtigste im Leben der Jugendlichen? Die Musik. Und erst danach kommen Freunde und Familie.

Selbstständigkeit beweisen

„Das ist aber nicht nur ein neuer Trend unter Jugendlichen“, sagt die 17-jährige Julia Eiler aus Hatterode. „Du beweist Selbstständigkeit. Das Instrument suchst du dir selbst aus, wirst nicht von anderen dazu bewegt.“ Julia hat sich das Gitarrespielen selbst beigebracht. „Und wenn irgendwo Musik läuft, singe ich mit, das kommt ganz automatisch“, sagt sie und schmunzelt. Auch für Jana Pistor aus Breitenbach ist Musik die erste Wahl, um abzuschalten. „Ich spiele das Didgeridoo, weil es so ein ausgefallenes Instrument ist.“ Ihren Gesang nimmt sie zu Testzwecken auch dann und wann auf: „Musik bedeutet für mich Selbstentfaltung.“

Für den zwölfjährigen Johannes Herrmann aus Breitenbach hat Interesse an Musik mit dem Umfeld zu tun. „Es kommt darauf an, ob die Familie musikalisch ist“, findet er. „Bei uns spielen fast alle ein Instrument.“ Johannes selbst hat sich für das Schlagzeug entschieden. „Für kaputte Eimer und Holzlöffel war ich schon als Kind verantwortlich“, erklärt er grinsend.

Leidenschaftlich seinem Soloprojekt verschrieben hat sich Julian Kesten aus Bad Hersfeld. Zuhause glänzt seine teure Musikausrüstung im extra eingerichteten Probenkeller, im Internet kann man sich seine Stücke unter www.youtube.com/juliankesten1 anhören. Und ein Angebot für einen Plattenvertrag gab es auch schon. „Ich spiele mehrere Instrumente und versuche gerade, mich an die Öffentlichkeit zu kämpfen“, sagt der junge Musiker. Julian hat das Talent, einmal gehörte Melodien auf Klavier oder Gitarre nachspielen zu können.

Schon bekannt ist im Kreis die Band „Blackout“ (Bandseite bei www.facebook.de). Christian Nieding, Felix Zacharias, Max Reuning, Ann-Kathrin Wenzel und Frederik Weiser treffen sich wöchentlich, um mit Elektrogitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang ihre Rock- und Pop-Stücke einzuüben. Christian Nieding hat sich erst vor kurzem eine neue Gitarre zugelegt. „War ganz schön teuer“, sagt er. „Ich hatte die Wahl: Gitarre oder Roller! Theoretisch könnte ich aber auf der Gitarre auch den Johannesberg runterrutschen...“ In seinem Freundeskreis sind Bandneugründungen an der Tagesordnung. „Heutzutage dreht sich einfach alles um Musik!“, fasst er zusammen und spielt das Solo von „Smoke on the water“ an.

Von Christina Pistor

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