Bad Hersfeld will die Doppik nicht, muss aber, und will das Land in die Pflicht nehmen

Wer soll das bezahlen?

Bad Hersfeld. Ganz Gallien ist von Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein, denn Bad Hersfeld und Heringen sind die letzten beiden hessischen Kommunen, in denen im städtischen Haushalt noch nach der erweiterten Kameralistik gebucht wird. Doch damit soll 2015 Schluss sein, denn das Land hat beide Städte per Sondergesetz dazu verdonnert, bis dahin ebenfalls die deutlich aufwändigere doppische Buchführung zu installieren.

Bürgermeister Thomas Fehling hat für die Umstellung auf die Doppik (Doppelte Buchführung in Konten) jetzt im Haupt- und Finanzausschuss einen Zeit- und Kostenplan vorgelegt, der prompt für Missmut sorgte. Denn allein für das erste Jahr haben Fehling und seine Mitarbeiter in der Verwaltung einen zusätzlichen Bedarf von rund 2000 Personalstunden errechnet, um die neuen Aufgabenstellungen abzuarbeiten.

„Das sind sieben Planstellen“, grummelte Ausschussvorsitzender Bernd Wennemuth (SPD), „mein Enthusiasmus tendiert gegen Null.“ Denn Wennemuth steht nicht alleine mit der Ansicht, dass die Doppik nur mehr Arbeit macht und mehr kostet, aber ansonsten wenig bringt. Im Gegenteil: Der Haushalt werde unübersichtlicher. Auch im Folgenden benötigt die Kämmerei mehr Personal. Zwei weitere Buchhalter müssen auf Dauer eingestellt werden.

Weil die Doppik-Einführung auf Befehl von oben erfolge, sieht die Mehrheitsfraktion von SPD, Grünen und FWG darin ein Beispiel für das Konnexitätsprinzip, nach dem der Verursacher auch die Kosten zu tragen hat. „Das Land ist in der Erstattungspflicht,“ sagte Carsten Lenz (SPD). Auch Stadtverordentenvorsteher Lothar Seitz – wie Lenz Jurist – plädierte dafür, die Angelegenheit nicht einfach hinzunehmen.

Bürgermeister Fehling sagte daraufhin zu, die Rechtmäßigkeit vom Hessischen Städte- und Gemeindebund überprüfen zu lassen.

Von Karl Schönholtz

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