Kolumne: „Smart City“ anderswo und ein Zeitungsmann

Karl Schönholtz

Wenn Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling von der „Smart City“ spricht, dann schwingt ein missionierender Unterton mit. Und weil das Thema der digitalisierten Stadt ebenso komplex wie sperrig und kleinteilig und teuer ist, gibt es nicht wenige Skeptiker, die für ein smartes Hersfeld keine Notwendigkeit sehen. Die Wochenendkolumne von unserem Redakteur Karl Schönholtz.

Ich hatte am vergangenen Wochenende Gelegenheit, ganz privat mit dem Coburger Oberbürgermeister Norbert Tessmer zu sprechen und habe ihn gefragt, was er von „Smart City“ hält. Zu meiner nicht geringen Überraschung reagierte er absolut positiv. Mehr noch: Coburg ist eine von drei bayerischen Musterstädten, die sich mit dem Thema befassen, und Tessmer hat in seiner Stadtverwaltung eine Mitarbeiterin, die sich hauptsächlich mit den digitalen Anwendungen der „Smart City“ beschäftigt. Hintergrund: Der Coburger OB ist überzeugt davon, dass die Digitalisierung ohnehin kommen wird und möchte dabei lieber voranschreiten als hinterherzudackeln.

Kleine Notiz am Rande: Norbert Tessmer ist ein gestandener Sozialdemokrat.

Aber wer weiß, ob Thomas Fehling noch dazu kommt, sein Baby „Smart City“ großzuziehen. Nach Karsten Vollmar (SPD) gibt es mit Michael Schmidt (AfD) einen dritten ernstzunehmenden Kandidaten, der ihm am 11. September den Rathaussessel streitig machen möchte.

Beim Redaktionsbesuch stellte sich heraus, dass Schmidts Großvater H.P. Schmidt einst unser Kollege war. Der frühere Redakteur der Hersfelder Allgemeinen war nach deren Einstellung bis zum Ruhestand Mitglied der HZ-Redaktion. Viele Jahre lang war „Henner“ Schmidt als volksnaher, allseits beliebter Berichterstatter ein fester Begriff und wurde in einem Atemzug mit dem legendären Wilhelm Bleitner genannt. Auch der journalistische Nachwuchs bei uns wusste, was er am Altmeister H.P. hatte: Beim Gegenlesen lautete sein Urteil meist: „Haste gut gemacht, mein Junge...“

Pacta sunt servanda, Verträge müssen eingehalten werden, wussten schon die alten Lateiner. Das gilt nun auch für die Bauherren der Wohnanlage „Zuse-Höfe“ in Bad Hersfeld, die das baufällige Fachwerkgebäude auf ihrem Grundstück am liebsten abgerissen hätten.

Zuvor hatten sie sich allerdings verpflichtet, die historische Scheune, in der Computervater Konrad Zuse einst seine ersten Rechenmaschinen gebaut hat, zu sanieren.

Dass die Bauaufsicht der Stadt nun die „Sanierungsfähigkeit“ des Denkmals hat feststellen lassen und folglich den Abrissantrag abgelehtn hat, ist ein Signal. Nicht nur rechtlich gesehen, sondern auch was den Umgang mit der Geschichte angeht.

Zum Schluss noch ein Wort zu den Festspielen: 260 Eintrittskarten für das Familienstück „Krabat“ wurden alleine über die Modellschule Obersberg an Schülerinnen und Schüler verkauft. Bravo!

Und ein gutes Beispiel auch für andere Schulen. Denn nicht überall wurde das Theaterangebot vor der Haustür – sei es bei „Krabat“ oder beim Märchen „Die Goldene Gans“ wahrgenommen. Schade.

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