Hühnerhof hat Strategie um Vertrauen zurückzugewinnen – Verbraucher sollten regional kaufen

Skandal als Chance sehen

Leonhard Häde

Hersfeld-Rotenburg. Erst das als Rindfleisch verkaufte Pferdefleisch, jetzt Bio-Eier, die gar keine sind. Unsere Zeitung hat bei zwei Hühnerhöfen in der Region nachgefragt, wie sie zu dem Bio-Eier-Skandal stehen.

„Bei uns kauft der Verbraucher ein Ei, das wirklich Bio ist“, sagen Thomas und Leonhard Häde. Die Brüder betreiben die Firma Sonnenei in Heinebach, in der Bio-Eier produziert werden.

Beide befürchten, dass die Bio-Eier-Branche durch den Skandal einen schlechten Ruf bekommt. Das könne man den Verbrauchern auch nicht einmal verübeln, meinen sie. Das Vertrauen der Kunden wieder herzustellen, würde am besten über ihre Eigenmarke funktionieren. Wie sie dabei vorgehen wollen, haben die Brüder sich auch schon überlegt: Auf ihrer Homepage und auf Facebook haben sie bereits eine Stellungnahme zu dem Skandal abgegeben, außerdem wollen sie Informationszettel in die Eierschachteln legen, um die Kunden beim Kauf zu informieren. Gleichzeitig sehen die beiden Unternehmer den Skandal auch als Chance: Es sei nun bewiesen, dass billig nicht funktioniert, sie könnten jetzt zeigen, dass sie bieten, was die Verbraucher wollen.

Vom Harz bis Frankfurt

Die Brüder vertreiben ihre Eier regional in einem Umfeld von 150 Kilometern – vom Harz bis nach Frankfurt, wie sie sagen. Bundesweit kann man die Bio-Eier zum Beispiel im Reformhaus unter dem Firmennamen Heirler kaufen, denn auch an diese Firma liefern die Hädes ihre Eier.

„Man kann den Menschen nur raten, regionale Produkte zu kaufen“, sagt Tobias Thomas vom Geflügelhof Thomas in Unterweisenborn. Er betreibt den Familienbetrieb zusammen mit seinem Vater. Bio-Eier haben sie nicht, sondern die Hühner werden in Bodenhaltung gehalten. Beispielsweise auf dem Markt könnten die Kunden gleich fragen, wie die Hühner leben. Kauft man die Eier beim Discounter, sei das nicht möglich. Außerdem würde der Überblick über die Herkunft der Eier fehlen. Die Eier des Geflügelhofs werden in Supermärkten der Umgebung, auf dem Wochenmarkt in Bad Hersfeld und bei Fahrten von Haustür zu Haustür verkauft.

Es geht ums Geld

Wie konnte der Skandal entstehen? Es geht ums Geld, sagt er. Bodenhaltung sei billiger als eine Tierhaltung nach Bio-Richtlinien. Letztere sei aufwändiger und die Tiere seien auch anfälliger. Verkaufe man konventionell erzeugte Eier als Bio, sei der Gewinn viel größer.

Von Lara Sasse

Kommentare