In gesiebter Luft: Ausstellung über Häftlinge in der JVA Hünfeld

Wer sitzt im Gefängnis?

Wenn der evangelische Anstaltspfarrer Andreas Leipold mit den Gefangenen spricht, sitzt er immer auf dem Bett, denn die Zelle hat nur einen Stuhl. Hier zeigt der in Bad Hersfeld lebende Pfarrer das Modell einer Zelle der JVA Hünfeld. Foto: Hornickel

Hünfeld. Wer sind die Menschen, die beispielsweise in der JVA Hünfeld einsitzen? Auf diese Frage will die Ausstellung „In gesiebter Luft“ in der St.-Ulrichskirche Antworten geben.

Die Schau, die von Donnerstag, 2. September, bis 7. Oktober zu sehen ist, wendet sich an alle Interessierten, aber besonders an Schulklassen, für die pädagogisch gestaltete Führungen angeboten werden. Die Ausstellung in der Kirche am Appelsberg 7 ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet und über den Seiteneingang links zugänglich.

Die Ausstellung wurde vom kirchlichen Arbeitskreis Straffälligenhilfe Kassel konzipiert. Der Titel greift den umgangssprachlichen Ausdruck „gesiebte Luft atmen müssen“ auf, der besagt, dass ein Mensch eine bestimmte oder auch unabsehbare Zeit seines Lebens hinter Gittern zubringen muss. Nach Hünfeld holten die Exponate die beiden Gefängnisseelsorger Heinrich Schöning (katholisch) und Andreas Leipold (evangelisch).

Lebensweg aufzeigen

Sie wollen dem Besucher die Menschen in Haftsituationen und mit ihren Gefängnisgeschichten näher bringen. Die Ausstellung zeigt in abstrahierter und anonymisierter Form Lebenswege und -situationen von Menschen auf, die zurzeit in Straf- und Untersuchungshaft leben. Aus den biographischen Berichten werden Stationen auf dem Lebensweg der Inhaftierten deutlich, angefangen bei Kindheit und Jugend bis hin zum Abgleiten in die Kriminalität – aber auch Hoffnungen, Sehnsüchte, Lebensträume.

Interessant für Schüler

Die Ausstellungsmacher laden besonders Schulklassen ein, „sich mit der Biographie und der Lebenssituation straffällig gewordener Menschen auseinanderzusetzen, um über gefährdete Milieus und Situationen, über Wille und Freiheit, Recht und Unrecht, Schuld, Sühne und Vergebung nachzudenken.“ Dazu werden den Schülern Anregungen und Materialien zur Verfügung gestellt.

Obwohl es sich um eine fertig konzipierte Ausstellung handelt, werden Schöning und Leipold darin auch auf Hünfelder Besonderheiten eingehen und so auch die inhaltliche Nähe zu dem Gefängnis in der Haunestadt herstellen.

Gefördert wird die Ausstellung vom Bistum Fulda, der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck und vom Katholischen Kirchengemeindeverband Kassel. Schulklassen und andere Gruppen, die geführt werden möchten, wenden sich per Mail an: Heinrich.Schoening@JVA-Huenfeld.Justiz.Hessen.de

Andreas.Leipold@JVA-Huenfeld.Justiz.Hessen.de

www.in-gesiebter-Luft.de (ag)

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