Schulleiter aus dem Kreis äußern sich zur aktuellen Debatte – Leiterin des Staatlichen Schulamts setzt aufs Gegensteuern

Sitzenbleiben: Sinnvoll oder nicht?

Hersfeld-Rotenburg. Ist Sitzenbleiben sinnvoll oder einfach nur teuer? Nachdem Rot-Grün in Niedersachsen plant, die „Ehrenrunde“ in der Schule abzuschaffen, ist in ganz Deutschland eine bildungspolitische Debatte ausgebrochen. Weder die Politik, noch die Lehrerverbände sind sich einig.

Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind die Schulleiter durchaus unterschiedlicher Meinung, was das Sitzenbleiben betrifft. An den integrierten Gesamtschulen ist das Wiederholen einer Klasse allerdings ohnehin nicht vorgesehen – es sei denn, die Eltern wünschen es ausdrücklich.

Oskar Ruhl, Schulleiter an der Gesamtschule Schenk-lengsfeld, hält von den Plänen in Niedersachsen nichts. Der Anreiz, sich in der Schule anzustrengen, ginge verloren, zudem könne das Wiederholen einer Klasse auch eine Chance sein. „Es ist auch nicht so, dass ein Schüler wegen einer Fünf sitzen bleiben kann“, erklärt Ruhl. Wer nur eine Fünf habe und diese nicht ausgleichen könne, habe immer die Möglichkeit, eine Nachprüfung zu machen – und auch bei zwei Fünfen könne noch eine Nachprüfung angeboten werden. Den Kostenfaktor kann Ruhl ebenfalls nicht nachvollziehen: „Zusätzliche Förderung kostet auch Geld.“

Auch Sabine Rimbach, neue Schulleiterin der Jakob-Grimm-Gesamtschule in Rotenburg, fürchtet, dass gerade im Realschul- und Gymnasialzweig der Leistungsgedanke verloren gehen könnte.

Anders sieht das Ulrich Eckhardt, stellvertretender Leiter der Geistalschule in Bad Hersfeld. An der integrierten Gesamtschule mit Haupt-, Real- und Gymnasialzweig ist Sitzenbleiben im eigentlichen Sinne sowieso kein Thema. Wer in einem Bildungsgang nicht zurechtkommt, wechselt auf das niedrigere Niveau.

„Nur wenn ein Schüler ganz viele Defizite hat, die Eltern einen entsprechenden Antrag stellen und die Lehrerkonferenz zustimmt, können Schüler eine Klasse wiederholen“, so Eckhardt. Die Lehrerkonferenz könne zwar auch empfehlen, dass ein Schüler ein Jahr wiederholt, letztlich liege die Verantwortung aber immer bei den Eltern. „Der Stoff wird nicht dadurch interessanter, dass ich ihn zum zweiten Mal höre“, meint Eckhardt. „Wir fühlen uns allen Schülern verpflichtet, den schwachen wie den guten, und setzten auf differenziertes Lernen.“ Sitzenbleiben dürfe auch nicht zum einfachen Abschieben von Schülern führen.

Anita Hofmann, Leiterin des Staatlichen Schulamts in Bebra, steht dem Wiederholen einer Klasse ambivalent gegenüber. „In Einzelfällen kann das sinnvoll sein, aber nur, wenn die betroffenen Schüler dabei intensiv begleitet werden“, sagt Hofmann. Sie hat darüber hinaus die Hoffnung, dass sich das Problem Nichtversetzung in einigen Jahren sowieso erledigt haben könnte, wenn Konzepte zur individuellen Förderung und Schulsozialarbeit greifen.

Hintergrund, Statistik

Von Nadine Maaz

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