In der Stadtverordnetenversammlung kocht das Thema Media Markt noch einmal hoch

Für wen sitzen wir hier?

Bad Hersfeld. Eigentlich war das Thema Media Markt in der vergangenen Woche schon beerdigt worden. Negative Signale aus dem Kasseler Regierungspräsidium (RP) und die Ergebnisse eines extra eingeholten Gutachtens der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung hatten die Ausschüsse des Bad Hersfelder Stadtparlaments bewogen, das Bauleitverfahren für eine Ansiedlung des Elektrofachmarkts auf dem Gelände der ehemaligen Ford-Zentrale nicht weiter zu verfolgen (unsere Zeitung berichtete).

Verpasste Chance

Am Donnerstag kochte die Diskussion während der Stadtverordnetenversammlung im Bürgerhaus Hohe Luft jedoch noch einmal hoch, weil nicht wenige Parlamentarier hier eine verpasste Chance für die Entwicklung der Einkaufsstadt Bad Hersfeld sahen.

„Wer nicht kämpft, hat schon verloren,“ wollte beispielsweise Michael Bock (Neue Bürgerliste NBL) von „vorauseilendem Gehorsam“ gegenüber dem RP nichts wissen und fragte: „Für wen sitzen wir hier?“ Denn die Mehrheit der Hersfelder, so war sich Bock sicher, würde einen Media Markt befürworten.

„Bad Hersfeld würde gestärkt werden“, meinte auch Hans-Jürgen Schülbe (Unabhängige), und Bocks Fraktionskollege Dirk Bodes warnte vor negativen Auswirkungen eines geplanten neuen Fachmarktzentrums in Fulda auf die Attraktivität der Nachbarstadt.

Außerdem pickten die Befürworter der Ansiedlung passende Textstellen aus dem GMA-Gutachten, in denen die Zugkraft des Namens Media Markt festgestellt und Kaufkraftzugewinne aus dem Umland prognostiziert wurden.

Allerdings hatte die Untersuchung auch von Umsatzumverteilungen zu Lasten der Innenstadt sowie von Verdrängungswettbewerb unter den Märkten gesprochen und das Vorhaben im Ergebnis negativ bewertet.

Ein NBL-Antrag, das Bauleitverfahren für einen Hersfelder Media Markt dennoch fortzuführen wurde jedoch abgelehnt. Stattdessen beschloss eine Mehrheit aus SPD/Grünen/FWG-Fraktion und FDP die ursprüngliche Vorlage, die Planung aufzugeben.

Sind chancenlos

„Wir müssen einsehen, dass wir chancenlos sind,“ hatte Roland Luley (SPD) eingangs festgestellt, und Gunter Grimm (CDU) bedauerte, dass „uns die Entscheidung durch den RP abgenommen worden ist“.

Bernd Böhle sah in einem Media Markt eine „existenzielle Bedrohung für Kleine und den Mittelstand“, und Monika Schmidt (Grüne) begründete ihre Ablehnung der Ansiedlung mit den Worten: „Wir wollen, dass die Innenstadt belebt bleibt. Wir sind doch nicht blöd.“

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Von Karl Schönholtz

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