Gerold Theobalt spricht vor vollem Haus über seine Bühnenfassung der „Wanderhure“

Sittengemälde in der Stiftsruine

Viel Bewegung – beim Vortrag und später auch auf der Bühne: Gerold Theobalt bei der Vorstellung der „Wanderhure“. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Die Wanderhure dürfte in der Stiftsruine ordentlich zu tun bekommen. Darauf lässt jedenfalls das große Publikumsinteresse bei der Vorstellung des Stücks durch den Autor der Bühnenfassung, Gerold Theobalt, am Mittwochabend schließen. Denn im Wigbertsaal des Altenzentrums Hospital wurden die Stühle knapp.

Zu Recht, denn Theobalt, der gemeinsam mit Intendant Holk Freytag auf Einladung der „Freunde der Stiftsruine“ über das Stück sprach, nahm seine Zuhörer auf eine faszinierende Reise durch die „elektrisierende Zeit“ des Mittelalters.

Dabei waren er und Freytag zunächst ziemlich skeptisch, als ihnen der Bestsellerroman des Autorenduos „Iny Lorentz“ für eine Bühnenfassung angeboten wurde. Zu trivial für die Stiftsruine erschien den Theatermachern der Stoff. Doch diese Einstellung änderte sich bald. Freytag sieht das Stück inzwischen im direkten Kontext zum Kloster-Krimi „Der Name der Rose“. Es spielt rund 100 Jahre später und liege damit voll auf seiner „thematischen Zeitachse“.

Erzählt wird die Geschichte der reichen Patriziertochter Maria Schärer, die kurz vor der Hochzeit mit einem reichen Tuchhändler steht. Doch dann wird sie verleumdet, landet im Gefängnis, wird vergewaltigt, ausgepeitscht und entehrt aus der Stadt gejagt. Als Wanderhure muss sie sich fortan verdingen und sinnt doch nur darauf, Gerechtigkeit zu erfahren. Gespielt wird sie von Andrea Cleven, die auch die „Rose“ darstellt.

Als ein Sittengemälde des Mittelalters mit prallen „Wimmelbildern“ auf der Bühne beginnt das Stück und strotzt doch vor „politischen Aktualitätsmomenten“, sagt Theobalt. Religöser Fanatismus, Rechtlosigkeit, Migration und (Sex-)Sklaverei seien auch heute noch weltweit drängende Probleme.

Das Stück wolle ein breites Publikum ansprechen, das durch den Bestseller und die TV-Fassung gut auf den Inhalt vorbereitet ist, meint Theobalt. Trotz aller anfänglichen Vorbehalte, habe es ihm „dann doch sehr viel Freude gemacht, das Stück zu schreiben“. Am 25. Juni hat die „Wanderhure“ Premiere in der Stiftsruine und wird dann wohl auch dem Publikum viel Freude bereiten. (kai)

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