Bewegte Geschichte des Kathuser Chores – Jubiläumsfeier am 29. März

Singen seit Kaisers Zeiten

Vier der Kathuser Musikanten waren Gründungsmitglieder des Gesangvereins 1889 Kathus.

Kathus. Der Gesangverein 1889 Kathus, der älteste Verein im Bad Hersfelder Stadtteil, wird Ende März 125 Jahre alt: wahrlich ein Grund zum Feiern! Dazu ist die Bevölkerung am Samstag, 29. März, ab 19 Uhr in die Solztalhalle eingeladen. Außer den Chören trägt auch die Kathuser Kapelle „Die Wilddiebe“ zur Unterhaltung bei.

Der Jubilar kann auf eine sehr interessante Geschichte zurückblicken, die im Kaiserreich begann: Vier der Kathuser Musiker, die sich 1887 ablichten ließen, gehörten zu den Gründungsmitgliedern des Kathuser Gesangvereins. Die Familiennamen der Vereinsgründer Bauer, Lotz, Fischer, Rüger, Wagner, Kimmel, Brehm und Heyer sind bis heute in Kathus vertreten.

In den Statuten des ältesten Kathuser Vereins, die am 27. März 1889 in Kraft traten, wird als Hauptziel des Vereins genannt: die „Erweckung, Pflege und Belebung echt patriotischer Gesinnung“. Strenge Regeln sollten zum Gedeihen des Vereins beitragen: Unentschuldigtes Fehlen wurde mit 20 Pfennigen bestraft und das Fehlen bei der Beerdigung eines Vereinsmitgliedes mit einer Ordnungsstrafe von 3 Mark belegt, dem Lohn für drei lange Arbeitstage!

Fahne ab 1891

Bereits 1891 legte sich der Gesangverein eine Fahne zu: Ihr Sängerspruch „In Freud und Leid zum Lied bereit“ ist zeitlos und bis heute aktuell. Die Darbietungen des Kathuser Männerchores zählten bald zu den besten der Gegend, aber bereits 1893 verließen einige Sänger den Chor, um einen eigenen Verein zu gründen. Der Streit um die Vereinsfahne musste gerichtlich entschieden werden. Schließlich kehrten die „Abtrünnigen“ zum ersten Verein zurück.

Gesangliche „Liebesgaben“

Der Verein konnte seine erfolgreiche Arbeit leider nur bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges in 1914 fortsetzen. Aus der Vereinskasse wurden „Liebesgaben“ an die patriotischen Sangesbrüder auf den Schlachtfeldern finanziert. „Elf liebe Sangesbrüder erlitten den Tod vor dem Feind“.

1920 nahm der auf 20 Männer dezimierte Verein seine Tätigkeit wieder auf: Nach einem „Bunten Abend“ wuchs der Chor auf 40 Aktive an – ein traumhaftes Ergebnis.

Der Kathuser Lehrer und Schulleiter Konrad Meßler dirigierte den Chor von 1923 bis 1939. In dieser Zeit war der Verein sehr aktiv: Bezirkssängerfeste, Theaterabende und eine Fahrt mit drei Bussen zum Edersee – das war im Jubiläumsjahr 1929 bestimmt eine Sensation!

Ab 1933 wurde der Vereinsvorsitzende „Vereinsführer“ genannt. Die vorerst letzte Chorprobe war am 20. August 1939, denn ab dem 1. September „sorgte“ wieder ein Weltkrieg dafür, dass die Sangestätigkeit eingestellt werden musste.

Von Karl-Heinz Otto

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