Wochenendporträt: Helmut Großenbach war 23 Jahre Sängerkreisvorsitzender

Singen hilft der Seele

Hat jetzt mehr Zeit für sich: Nach 23 arbeitsreichen Jahren als erster Mann des Sängerkreises Hersfeld und zuvor vierjährigem Wirken als stellvertretender Vorsitzender hat Helmut Großenbach jetzt mehr Zeit fürs Romanelesen, Gärtnern und Reisen. Mit seiner Frau Hildegard möchte er eine weitere Tour in die Nord-Eifel machen: „Mit vielen gepflegten Buchenhecken ist das eine tolle Landschaft!“ Foto: Apel

ASBACH. Wer singt, bleibt jung. Das wird an Helmut Großenbach, der 23 Jahre lang Vorsitzender des Sängerkreises Hersfeld und als solcher bis zu 55 mal im Jahr „präsent“ war, deutlich. Jetzt ist er wieder ganz normaler Sänger, nachdem er vorher 33 838 Kilometer mit dem Auto für sein Ehrenamt zurückgelegt hat.

Als solcher ist der 69-jährige Asbacher seit 47 Jahren aktiv. „Mein Großonkel Heinrich hat mich angesprochen, und weil damals viele junge Leute im Männergesangverein aktiv waren, habe ich einfach mitgesungen.“ Natürlich haben die Sänger ihrem ersten Bass auch gleich ein Ständchen gebracht, als er im gleichen Jahr den Bund fürs Leben schloss – mit seiner Ehefrau Hildegard, die er in Reckerode beim Tanz kennengelernt hatte und mit der er schon seit 1964 verlobt war. „Damals war man erst mit 21 Jahren volljährig und deshalb hat man in der Regel mit dem Heiraten auch bis dahin gewartet“, erzählt er schmunzelnd. Helmut war 1943 in Asbach im Haus der Großeltern auf die Welt gekommen, in dem er heute noch lebt und in das seine Eltern während des Krieges geflüchtet waren. Nach der Heimkehr des Vaters hat es die Familie für ein paar Jahre nach Breitenbach am Herzberg, wo sein Vater als Dorfpolizist eingesetzt war, verschlagen.

41 Jahre bei der Post

Später ging es dann wieder zurück ins Fuldatal, von wo aus Helmut am 1. April 1958 „für 41 Jahre und vier Monate“ ins Unternehmen Post einstieg. Das war damals noch ziemlich bürokratisch und mit dem, was man verdient hat, war es „nicht so doll“. Schon bald eröffnete sich die Option Südhessen, aber die schlug der Familienmensch aus. Abordnungen und Urlaubsvertretungen in Frankfurt und Rüsselsheim waren die Folge. „Es hat nichts geschadet“, meint er rückblickend, „man erlebt einen anderen Horizont und ein Stück weit wird man auch gestählt.“ Großenbach hat auf jeden Fall immer gern mit Kollegen zusammengearbeitet: „Viele von ihnen sind leider nicht mehr da.“

Zu den Menschen, die seine Frau und er ganz schrecklich vermissen, zählt ihr Sohn, der 1999 im Alter von noch nicht einmal 28 Jahren tödlich verunglückte: „Obwohl mir mein Glaube sehr geholfen hat, kämpfe ich noch heute mit diesem Schicksalsschlag. Immer wieder bricht es über mich herein – manchmal sogar mitten in einer Übungsstunde.“ Deshalb ist er seinen Sängerkollegen dankbar, dass sie seine Frau und ihn bis heute tragen und unterstützen.

Viele von ihnen hätte er ohne seine Ämter, zu denen von 2002 bis 2012 auch das des Vizepräsidenten des Mitteldeutschen Sängerbundes gehörte, nicht kennengelernt. „Wir haben erlebt, wie Singen der Seele hilft und viel Herzlichkeit erfahren“, stellt er fest, „das hat mich, aber auch meine Frau, die mich in all den Jahren verständnisvoll begleitet hat, in reichem Maße entschädigt.“

Gerne hätte Großenbach den Sängerkreis noch weiter nach vorne gebracht. Letztendlich musste aber auch er feststellen, dass es schwer ist, junge Leute zu begeistern: „Projektchöre sind ein guter Ansatz, aber oft geht es dann nicht weiter.“

Für seinen weiteren „Ruhestand“ hat der Asbacher, der gerne Karottensuppe kocht und dessen Urlaub sich früher nach den Terminen des Sängerkreises gerichtet hat, nicht allzu viel geplant. Reisen in die Eifel genügen ihm: „Rom und die Peterskirche habe ich schon mit den Sängern erlebt.“ Sein Garten ist sein zweites Wohnzimmer, und wenn es an möglichst vielen Stellen in seiner Lieblingsfarbe Gelb blüht, ist er glücklich. Er gehört zu denen, die sich im Stillen freuen können. So wie er im Stillen gearbeitet und anderen Menschen zugehört hat.

Von Wilfried Apel

Kommentare