Hans Jürgen Dietz hat zwölf Männer für das Stück „Der Name der Rose“ ausgewählt

Wir sind das Volk

Eine Gabe: (von links) Arno Schmidt-Battenberg, Lennart Fink und Johann Jost spielen das arme Volk im Kloster-Krimi. Foto: Shuhaiber

Bad Hersfeld. Für die Inszenierung „Der Name der Rose“ von Umberto Eco hat Intendant Holk Freytag noch männliche Statisten mittleren Alters gesucht. Sie werden das arme und geknechtete Volk des Mittelalters darstellen. Hungernde Bauern, Bettler und Tagelöhner.

Dem Aufruf sind zwölf angehende Statisten gefolgt und haben sich von Hans Jürgen Dietz vor der Festspielkantine beäugen lassen. Als alter Hase im Statisten-Geschäft ist Dietz prädestiniert für die Auswahl der „lebenden Kulisse“, wie sich einer der Bewerber selbst bezeichnet. Dietz hat in den vergangenen 61 Jahren in vielen großen und kleinen Inszenierungen mitgewirkt.

Zuerst ein Fragebogen

Zu Beginn muss jeder Bewerber einen Fragebogen ausfüllen. Anschließend informiert Dietz die Männer über die Regeln und Anforderungen, die an sie gestellt werden: „Sie müssen Zeit haben, um regelmäßig an den Proben teilzunehmen“, erklärt er. Eine Probe zu schwänzen, wird keinesfalls geduldet. Dietz verlangt Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit von den Statisten. Sonst müssten die Bewerber nicht viel mitbringen: „Sie müssen nur Spaß und Interesse am Mitspielen haben.“

Nachdem die Formalien geklärt sind, geht es mit Kostümbildnerin Michaela Barth in die Umkleide. Dort werden die Statisten vermessen. Jeder erhält sein Kostüm zur Anprobe. Die Stimmung ist gut unter den Ausgewählten. Sie kramen in einer riesigen Kiste nach einem passenden Paar Schuhe und schlüpfen in ihre Gesinde-Kleidung.

Für die meisten ist es das erste Mal, dass sie auf einer großen Bühnen stehen werden: „Ich habe von dem Casting in der Zeitung gelesen und bin einfach hingegangen“, sagt Arno Schmidt-Battenberg. Johann Jost hingegen ist ein Wiederholungstäter: „Ich habe vor 30 Jahren schon mal einen Obersturmbannführer im Stadttheater Bremerhaven gespielt.“ Lennart Fink freut sich ebenfalls, dass er dieses Jahr mitspielen darf: „Ich kenne die Festspielaufführungen nur als Zuschauer, jetzt kann ich mal hinter die Kulissen schauen.“

Insgesamt wirken rund 50 Statisten bei „Der Name der Rose“ mit. Jeder Statist erhält eine Aufwandsentschädigung. Wie hoch die ist, verriet Dietz nicht. Er sagte nur soviel: „Um die Kantinenrechnung zu begleichen, reicht es.“

Von Alia Shuhaiber

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