Bad Hersfelder Festspiele: „Mondlicht und Magnolien“ hat heute Premiere im Eichhof

„Sind bereit, zu rocken“

Es muss weitergehen: Die Sekretärin Miss Poppenghul (Charlotte Puder), Filmproduzent David O. Selznick (Dirk Glodde) und Autor Ben Hecht (Nikolaus Kinsky, von links) versuchen im Stück „Mondlicht und Magnolien“ den am Auge verletzten Regisseur Victor Fleming (Thomas Gimbel, sitzend) aufzupäppeln. Um das Drehbuch zu „Vom Winde verweht“ fertigzustellen, bleibt kaum noch Zeit. Fotos: Maaz

Bad Hersfeld. Die Zeit drängt. Filmproduzent David O. Selznick (Dirk Glodde) hat ein Problem. Sein auf dem erfolgreichen Roman basierender Film „Vom Winde verweht“ droht eine Katastrophe zu werden. Er zieht die Notbremse und stoppt die Dreharbeiten. Wenn er den Film nicht retten kann, ist er pleite.

Saga um Scarlett und Rhett

Er braucht dringend ein neues Drehbuch und lässt deshalb den erfolgreichen Autor Ben Hecht (Nikolaus Kinsky) kommen. Außerdem soll ihm Regisseur Victor Fleming (Thomas Gimbel) helfen, der eigentlich gerade den „Zauberer von Oz“ dreht. Für alles weitere – wie Bananen und Erdnüsse – ist Sekretärin Miss Poppenghul (Charlotte Puder) da.

Selznicks Plan scheint allerdings nicht ganz so einfach aufzugehen: Denn Ben Hecht hat den Roman „Vom Winde verweht“ gar nicht gelesen und findet die Saga um Scarlett O’Hara, Rhett Butler, Melanie und Ashley einfach nur scheußlich. Für ihn ist es eine Liebesschnulze, „Mondlicht und Magnolien“-Kitsch eben. Abgesehen davon, habe ein Bürgerkriegsfilm noch nie einen Cent eingespielt.

Selznick lässt trotzdem nicht locker und Hecht gibt ihm schließlich eine Woche seiner kostbaren Zeit. Selznick sieht nur eine Lösung: Er und Fleming spielen Hecht den Inhalt des komplexen Romans einfach vor, während der Autor parallel dazu in die Tasten haut. Fünf Tage bleiben den Männern, um den Film zu retten.

„Mondlicht und Magnolien ist eine toll geschriebene Komödie, die alles hat, was eine gute Komödie ausmacht“, sagt Regisseurin Constanze Kreusch, und meint damit komische Situationen, Wortwitz und gut geschriebene Figuren, aber auch ernste Momente und Konfliktpotenzial. Und Kreusch weiß: „Hinter jedem guten Witz steht eine Wahrheit.“ Die Eichhof-Stücke sind zwar traditionell komisch, aber seicht sollen sie nicht sein.

Sanfte Hügellandschaft

Um die Kulisse des Eichhofs optimal zu nutzen, hat Kreusch das Schauspiel von Ron Hutchinson ein wenig verändert. Während dieses eigentlich in einem Büro spielt, haben die Regissuerin und ihr Team das Set vom „Zauberer von Oz“ nachgestellt, an dem Regisseur Fleming dreht, als er von Selznick „abkommandiert“ wird. „Wir wollten im wunderschönen Eichhof keinen geschlossenen Raum darstellen“, erklärt Kreusch. Die Zuschauer erwartet nun eine sanfte grüne Hügellandschaft mit überdimensionalen Blumen – und Gartenzwergen, so viel darf verraten werden.

Constanze Kreusch arbeitet zum ersten Mal bei den Festspielen in Bad Hersfeld. Ob kleine oder große Produktionen, beides macht Spaß, sagt sie. In der Nähe zum Publikum im kleinen Eichhof sieht die Regisseurin aber einen Vorteil gerade für „Geschichten mit Esprit“. Die Zuschauer seien so noch mehr im Geschehen drin. Und ob 100 oder 1000 Leute vor der Bühne, für Kreusch ist es wichtig, „das Publikum glücklich zu machen“.

„Besetzung ist perfekt“

Mit der Besetzung für „Mondlicht und Magnolien“ ist Kreusch denn auch mehr als zufrieden. „Die Besetzung ist perfekt“, findet die Regisseurin. „Wir sind bereit, den Eichhof zu rocken.“ Davon überzeugen können sich die Besucher ab heute Abend, wenn „Mondlicht und Magnolien“ um 20.30 Uhr Premiere feiert. Die Eichhof-Stücke sind zwar alle bereits ausverkauft, es lohnt sich aber immer, spontan an der Abendkasse nach Karten zu fragen, denn häufig gehen Tickets kurz vor der Vorstellung zurück.

Von Nadine Maaz

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