Behindertentag: Selbsthilfegruppe des Blinden- und Sehbehindertenbundes macht mit

„Da sind alle so wie ich“

Die Brailleschrift-Schreibmaschine, die Margit Höltke (links) und Elsbeth Kurth hier vorführen, gehört zu den Hilfsmitteln, die Blinden und Sehgeschädigten das Leben erleichtern. Foto:  Zacharias

Bad Hersfeld. Verschwommene Schatten sind ihre Gesprächspartner für Margit Höltke. Sie kann wahrnehmen, ob es hell oder dunkel ist, doch Details erkennt sie schon lange nicht mehr. Ihr Gehör und ein weißer Blindenstock helfen ihr, sich auch außerhalb ihrer vertrauten vier Wände zu orientieren.

Margit Höltke ist blind und trotzdem viel unterwegs. Sie reist gerne und lässt sich dabei von ihrer Behinderung nicht aufhalten. „Viele Menschen, vor allem auch viele junge Leute sind sehr hilfsbereit. Ich mache überwiegend positive Erfahrungen“, sagt Margit Höltke. Inzwischen hat sie auch keine Scheu mehr davor, einfach jemanden auf der Straße anzusprechen und um Hilfe zu bitten. „Das ist ein Lernprozess“, hat Margit Höltke festgestellt. Dumme Bemerkungen, die es auch manchmal gibt, haben ihr früher sehr zu schaffen gemacht. Jetzt kann sie damit umgehen.

Dabei hat ihr auch der Austausch mit anderen Blinden und Sehbehinderten geholfen, die sie in der Bezirksgruppe Osthessen des Blinden- und Sehbehindertenbundes Hessen in Fulda kennengelernt hat. „Ich habe viele Jahre gebraucht, mich an das Blindsein zu gewöhnen“, erzählt Höltke. Und sie habe lange nach einer Gruppe gesucht, bis sie auf den Fuldaer Zusammenschluss aufmerksam wurde.

Arbeit öffentlich machen

Auch Elsbeth Kurth aus Wildeck hat diese Erfahrung gemacht. Sie hat ihr Augenlicht während ihrer Schulzeit verloren. Beiden Frauen ist es deshalb ein Anliegen, die Arbeit des Blinden- und Sehbehindertenbundes in der Region öffentlich zu machen. Eine Möglichkeit dazu haben sie am kommenden Samstag. Der 13. August steht als 5. Deutscher Behindertentag in Bad Hersfeld wieder ganz im Zeichen der Menschen mit Behinderungen. In diesem Jahr sind Blinde und Sehgeschädigte das Schwerpunktthema.

Mit Stock zurechtfinden

In einem Erlebnismobil der Christoffel-Blindenmission können Besucher ausprobieren, wie sie sich mit Hilfe von Langstock und Simulationsbrille zurechtfinden können. Es gibt Informationen über die Blindenschrift und Hilfsmittel für Blinde, sowie Seh- und Hörtests. Eine Schule für Blindenführhunde stellt sich vor. Nicht zuletzt ist der musikalische Star des Tages, Corinna May, selbst blind.

Zeit zum Reden

Auch Margit Höltke, Elsbeth Kurth und ihre Mitstreiter werden von 10 bis 15 Uhr vor Ort sein und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die Gruppe Osthessen trifft sich seit zwanzig Jahren einmal im Monat unter der Leitung von Irene Kersting in Fulda. Zusätzlich finden aber auch Treffen in Bad Hersfeld statt. Dort werden die Mitglieder über aktuelle Neuigkeiten aus dem Verband informiert, über neue Hilfsmittel oder Entwicklungen. Manchmal lädt die Gruppe auch einen Referenten ein. Es bliebt aber immer genügend Zeit zum Kaffeetrinken und Reden, betont Höltke. Denn der Austausch miteinander ist den Blinden und Sehgeschädigten besonders wichtig.

„In der Gruppe fühle ich mich einfach wohl“, sagt Elbeth Kurth. „Da sind alle wie ich, da macht es nichts, wenn ich mal etwas umwerfe oder kleckere.“

Kontakt: Margit Höltke, Tel. 06621/62690; Elsbeth Kurth, Tel. 06678/456.

Von Christine Zacharias

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