Bad Hersfelder Stadtverordnete finden in der Defizit-Debatte einen Kompromiss

Signal für die Festspiele

Der Neue auf dem Platz des Alten: Erster Stadtrat Lothar Seitz (SPD, rechts) ist seit dem 1. September Bad Hersfelds amtierender Bürgermeister. Bis zur Wahl eines Nachfolgers für Hartmut H. Boehmer hat der Professor der Verwaltungsfachhochschule Rotenburg seine Arbeitsstelle ins Hersfelder Rathaus verlegt. Auch bei der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag war Seitz einen Platz aufgerückt (Foto, links daneben Stadtrat Valentin Wettlaufer). Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Die Auseinandersetzung unter den Bad Hersfelder Stadtverordneten, wie mit dem Millionen-Defizit der Festspiel-Saison 2010 umzugehen sei, verlangte nach einem Moderator. Und der fand sich am Donnerstagabend in der Person des amtierenden Bürgermeisters.

Erster Stadtrat Lothar Seitz (SPD) appellierte an die Parlamentarier, der Öffentlichkeit ein Signal zu senden, „was uns die Festspiele wert sind“ – mit Erfolg. Denn bei der Schlussabstimmung über die Deckung des Fehlbetrags von insgesamt 1,14 Millionen Euro enthielten sich CDU und Fraktionsgemeinschaft, sodass bei Zustimmung von SPD/FWG sowie der Stadtpolitiker unter dem Strich ein einstimmiger Beschluss stand.

Magistrat nicht erfreut

Dabei hatte Lothar Seitz keinen Hehl daraus gemacht, dass auch der Magistrat über das außergewöhnlich hohe Minus im Wirtschaftsplan der Festspiele „nicht erfreut, sondern verärgert“ gewesen sei. Doch ob das Loch in der Finanzierung nun mit Geld aus der rechten oder mit Geld aus der linken Tasche gestopft werde, sei letztlich nicht von Bedeutung.

Doch genau daran hatte sich die Diskussion zuvor entzündet. Denn der Fehlbetrag sollte zu etwa gleichen Teilen aus Mehreinnahmen beim Gemeindeanteil der Einkommensteuer und aus der Gewinnabführung der städtischen Wirtschaftsbetriebe ausgeglichen werden. Bei Letzterem mutmaßten Gunter Grimm (CDU) und Hans-Jürgen Schülbe (Fraktionsgemeinschaft), dass hier vor allem die Kunden der Stadtwerke zur Finanzierung der Festspiele herangezogen würden. Mit dem Hinweis, dass die Wirtschaftsbetriebe nicht nur aus dem lokalen Versorgungsbetrieb bestünden und auch andere zur Gewinnabführung beitragen, entschärfte Lothar Seitz die Debatte. Während einer Sitzungsunterbrechung fand sich dann der Kompromiss für die Abstimmung.

Zuvor hatten sich die Stadtverordneten auch inhaltlich mit den Festspielen auseinandergesetzt. Die Verzahnung mit der Stadt und ihren Einwohnern müsse wieder intensiviert werden, meinte Bernd Wennemuth (SPD), und Hans-Jürgen Schülbe forderte eine „Überprüfung des Produkts Festspiele“. Gunter Grimm (CDU) sprach sich gegen eine Verkürzung der Spielzeit aus, und Thomas Fehling (Stadtpolitiker) regte die Einrichtung einer Plattform an, auf der Ideen für die Zukunft des Hersfelder Festivals gesammelt werden könnten.

Einig waren sich die Parlamentarier darin, dass die Stadt nicht in der Lage sei, ein weiteres Mal ein derartiges Defizit auszugleichen.

Von Karl Schönholtz

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