„Carmen“-Regisseur Nico Rabenald und das Wagnis, eine Uraufführung zu inszenieren

Aus sieben mach’ eins

Rauhe Sitten auf dem Schwarzmarkt: Carmen (Anna Montanaro) ist eine Frau, die weiß, was sie will und setzt Willi (Nielson Soares) das Messer an die Kehle. Foto: Hartmann

Bad Hersfeld. Nico Rabenalds erste Begegnung mit der Stiftsruine ist noch gar nicht lange her. An einem Tag im März stand er zum ersten Mal im verschneiten historischen Gemäuer und konnte sich nur mit Mühe vorstellen, wie es hier im Sommer mit Bühne und Tribüne aussehen würde.

„Bad Hersfeld und die Festspiele, das war mir natürlich schon ein Begriff, doch ich bin vorher noch nicht hier gewesen“, gesteht Rabenald, der mit seinen 40 Jahren bereits zu den renommiertesten Regisseuren im deutschsprachigen Musiktheater zählt. So ist ihm sein Name auch schon nach Bad Hersfeld vorausgeeilt: Bei den Festspielen im vergangenen Jahr wurde in der „West Side Story“ nach seiner deutschen Textfassung gespielt.

Purer Zufall

Dass der gebürtige Braunschweiger in dieser Spielzeit mit „Carmen - Ein deutsches Musical“ gleich eine Welturaufführung auf die Bühne der Stiftsruine bringen wird, ist eigentlich purer Zufall.

Denn erst im Januar kam der Anruf von Intendant Holk Freytag, dem gerade der ursprünglich vorgesehenen Regisseur Stefan Huber abgesprungen war.

„Es war eine glückliche Fügung,“ sagt Rabenald, „denn ich hatte gerade Zeit.“

Also sprang er auf den bereits fahrenden Zug und ließ sich auf ein ebenso reizvolles wie gewaltiges Projekt ein.

Beim Einstieg Rabenalds war zwar ein Großteil des Ensembles bereits gecastet (ausgewählt) und Superstar Anna Montanaro verpflichtet. Das Textbuch der Schriftstellerin Judith Kuckart, das den klassischen Carmen-Stoff in die deutsche Nachkriegszeit verpflanzt, war allerdings noch nicht fertig.

„Ich habe mittlerweile sieben verschiedene Fassungen gelesen,“ schmunzelt Rabenald. Anfangs sei das Stück auch viel zu lang gewesen. „Vom ersten Probentag bis jetzt hat sich noch viel getan,“ erzählt er von der Arbeit der vergangenen Wochen. Szenen, Reihenfolgen und Übergänge wurden verändert, um eine Struktur, einen spielbaren Ablauf zu finden. „Das ist ein ganz normaler Vorgang,“ sagt der Regisseur und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Nur findet er normalerweise etwas früher statt.“

Die kurze Probenzeit, die wechselnden Textversionen und der Umstand, dass es für dieses Musical noch kein Beispiel gibt, haben beim Ensemble und natürlich auch beim Regisseur immer wieder für Verunsicherung gesorgt. „Es war ein Auf und Ab, aber so ist das halt beim Theater“, räumt Rabenald ein, lobt jedoch schon im nächsten Atemzug den Mut der Hersfelder Festspiel-Verantwortlichen, sich auf ein derartiges Wagnis einzulassen. „Ich finde es gut, dass so etwas gemacht wird. Und es ist auch schön für die gesamte deutsche Musical-Szene.“

„Wir haben es noch nicht ganz geschafft,“ sagt Rabenald wenige Tage vor der Premiere, ist sich mittlerweile aber sicher, „dass wir das Ding stemmen können.“ Musik, die fetzt, verspricht er, eine mitreißende Choreographie und eine richtig gute Geschichte. „Wir werden eine tolle Show liefern,“ sagt Nico Rabenald und kann sich durchaus vorstellen, dass „Carmen - Ein deutsches Musical“ in Zukunft auch auf anderen Bühnen gespielt wird.

 Der torero...

Von Karl Schönholtz

Kommentare