In der Bad Hersfelder Moschee beten zur Fastenzeit über 200 gläubige Muslime aus vielen Nationen

Wer sich traut, darf auch singen

Großes Festmahl: Sobald das traditionelle Fastenbrechen stattgefunden hat, werden auf dem Boden der Bad Hersfelder Moschee lange Stoffbahnen ausgebreitet und anschließend ausgiebig getafelt. Männer und Frauen essen hier getrennt, was allerdings ausschließlich aus Platzgründen geschieht. Foto: Privat

Bad Hersfeld. Die Frauen wenden ihr Gesicht dem Fenster zu, Richtung Mekka. Dann erschallt ein Gebet aus den Lautsprechern und erfüllt den kleinen, komplett mit Teppich ausgelegten Raum. Es ist ein einziger, fast durchgehender Gesang. Die Frauen knien sich sich hin, verbeugen sich, dann stehen sie wieder auf. Im Zimmer unter ihnen vollführen die Männer die gleiche Bewegungsabfolge, immer und immer wieder.

Fast 200 gläubige Muslime beten an diesem Wochenende in der Bad Hersfelder Moschee, schließlich ist Ramadan, eines der höchsten Feste im Islam.

Dialog fördern

Auch die 22-jährige Zeynep aus Niederaula ist gekommen. Erst vor Kurzem hat sie einen Kurs besucht und sich zu einer Dialogbeauftragten weitergebildet. „Mein Glaube ist mir sehr wichtig“, meint sie. „Aber ich würde mich auch freuen, wenn noch mehr Leute darüber Bescheid wüssten.“ Gemeinsam mit dem 18-jährigen Mustafa und dem 19-jährigen Mohammed führt sie jetzt Besucher durch die Moschee und versucht, ihnen den Islam näher zu bringen. „Wir wollen Missverständnisse aus dem Weg räumen“, erklärt Mustafa. Besonders in den Medien würde oft ein falsches Bild vom Islam publiziert werden.

„Die Frauen beten oft hinter den Männern, da denken dann wieder alle, dass das etwas mit der Rangfolge zu tun hätte“, meint er und verdreht die Augen. „Dabei gibt es dafür einen ganz anderen Grund. Wir bücken uns beim Beten sehr oft. Keine Frau möchte das gerne vor einem Mann tun.“ Dann geht er zurück in den Gebetsraum. Es ist Zeit für das traditionelle Fastenbrechen.

Emel Ünal ist heute mit ihrer kleinen Tochter gekommen, die gemeinsam mit anderen Kindern in einem winzigen Hinterzimmer spielt. „Das Gebäude bietet viel zu wenig Platz für uns alle“, meint Emel, als sie sich die Schuhe auszieht. „Leider finanzieren wir uns nur über Spendengelder, das müsste sich dringend ändern.“ Dann stellt sie sich neben die anderen Frauen und steigt in die Bewegungsabfolge mit ein. „Wir Muslime beten für alle Propheten“, erzählt sie später beim großen gemeinsamen Essen. „Jesus zum Beispiel ist für uns genauso wichtig wie der Prophet Mohammed.“

Eine Orgel sucht man in dem Gotteshaus vergeblich, muslimische Gebete werden eher von Trommeln oder Flöten begleitet. Auch Gesangesbücher werden nicht verteilt. „Wer auf seine Stimme vertraut, kann sich aber gerne hinstellen und singen“, lacht Emel.

Dankbarkeit und Frieden

Mittlerweile ist es spät geworden. Emel macht sich mit ihrer Tochter auf den Weg nach Hause, während das Nachtgebet weiterläuft. Bis auf die Straße klingt die Stimme des Vorbeters. Sie erzählt von Dankbarkeit und Frieden.

† Beim nächste Mal: Das große Zuckerfest

†  Internetauftritt des von EU und Bund geförderten Projketes proDialog: www.prodialog-ditib.de

Von Hanna Becker

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