Kabarett-Duo „Kabbaratz“ im Bad Hersfelder Buchcafé: Streitgespräche wie bei Loriot

Wie man sich richtig gut benimmt

Wer diesen Beiden beim Streiten unter dem Regenschirm zuhört, würde kaum vermuten, dass Evelyn Wendler und ihr Bühnenpartner Peter Jörg Hoffmann privat ein Paar sind, denn gegensätzlicher als sie können zwei Menschen kaum sein. Foto: Rödiger

bad hersfeld. Das Kabarett-Duo „Kabbaratz“ aus Darmstadt ist schon seit vielen Jahren ein fester Bestandteil im SatireProgramm des Bad Hersfelder Buchcafés. Am Samstagabend spielten „Kabbaratz“ zum siebten Mal im ausverkauften Konzertsaal.

In diesem Jahr widmen sich Evelyn Wendler und Bühnenpartner Peter Jörg Hoffmann in ihrem 19. Bühnenprogramm dem Thema „Zivilisiertes Benehmen“.

Intelligenter Wortwitz

Ein Mann hält seinen Regenschirm freundlich über eine fremde Dame, damit diese nicht mehr im Regen steht. Eine alltägliche Szene, über die man wohl kaum weiter nachdenken würde. Aber „Kabbaratz“ machen daraus ein langes und komisches Streitgespräch voller intelligentem Wortwitz. Sie vermutet hinter jeder Geste und jeder Höflichkeitsfloskel machohaftes Gehabe, er muss schnell erkennen, dass er sich allein mit Höflichkeit nicht aus dieser Zwickmühle befreien kann.

Mit herrlicher Hilflosigkeit versucht der Höfliche, den Verbalattacken der angriffslustigen Dame Paroli zu bieten, aber mehr als ein betont lauter Hinweis auf einen Haufen Hundekot am Wegesrand kommt dabei nicht heraus, während sie seine Verhaltensmuster bis ins kleinste analysiert.

Obwohl das Programm streckenweise etwas zäh daher kommt und der eine oder andere Lacher ausbleibt, sind es gerade die intelligenten „Loriot-haften“ Streitgespräche à la „Die Ente bleibt draußen!“, die beim Publikum für begeistertes Gelächter sorgen.

Knigge und Gloria

Alle Facetten der Alltagshöflichkeit werdenbeleuchtet, da darf natürlich auch der berühmt-berüchtigte „Knigge“ nicht fehlen. Aber es gibt noch viel bessere Literatur zum Thema Benehmen. Als wahre Fundgrube für Kabarettisten erweist sich dabei Fürstin Gloria von Thurn und Taxis’ Benimmratgeber. Schließlich sollte man schon wissen, wie man beispielsweise den Erzbischof anredet, wenn dieser unerwartet auf ein Feierabendschöppchen vorbeischaut.

Gestresster Kinderhasser

Aber Peter Jörg Hoffmann weist bei allem Humor auch auf fehlende Manieren in unserer Ich-bezogenen Gesellschaft hin. Er vermisst zurecht in seinen hervorragend ausformulierten Monologen die gute Kinderstube bei vielen Zeitgenossen im modernen Deutschland.

Viel Beifall erhielt Hoffmann in seiner glänzenden Zugabe als gestresster Kinderhasser, der unerwartet Besuch von einer Familie mit zwei Kleinkindern erhält.

Das Publikum applaudierte lang anhaltend ob dieses intelligenten und unterhaltsamen Bühnenprogramms.

Von Werner Rödiger

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