Am Vorabend des Lullusfests: Laternenzug und Feier in der Stiftsruine

Sich freuen wie die Kinder

Vorfreude auf das Heimatfest: Hunderte von Kindern und Erwachsenen zogen gestern Abend mit Fackeln und Lampions durch die Bad Hersfelder Innenstadt zur Stiftsruine. Fotos: z

Bad Hersfeld. „Mit dem Lollsfest werden wir alle wieder ein bisschen zu Kindern“ – mit dieser Feststellung versuchte Pröpstin Sabine Kropf-Brandau gestern Abend in der Stiftsruine die Faszination zu erklären, die das älteste Heimatfest Deutschlands Jahr für Jahr auf seine Besucher ausübt.

Die Pröpstin, die die traditionelle Ansprache am Vorabend des Lollsmontags in der Stiftsruine hielt, kennt das Fest seit Kindertagen, und auch als Erwachsene zog es sie immer wieder im Oktober nach Bad Hersfeld.

Freuen sich an Kleinigkeiten

Kinder bezeichnete Kropf-Brandau als Vorbilder für Erwachsene, weil sie mit der Fähigkeit ausgestattet seien, sich an den Kleinigkeiten dieser Welt zu freuen und in einem ganz kleinen Augenblick das große Glück zu sehen.

Mit ihrer Einschätzung berief sie sich auf Jesus und auf Erich Kästner, die beide ihre Wertschätzung für die kindliche Seele geäußert haben. „Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch“, zitierte sie Kästner. „In der Lollswoche gelingt das manchmal. Da fühlen sich die Alten wieder jung und die Großen wieder klein.“

Schausteller-Gottesdienst

Traditionsgemäß hatte der gestrige Abend mit einem Schausteller-Gottesdienst auf der Autoscooter-Anlage des Lollsrummels begonnen, den der katholische Pfarrer Christian Sack und der evangelische Schausteller-Seelsorger Volker Drewes gemeinsam zelebrierten.

Dann formierte sich trotz des feucht-kühlen Herbstwetters der Fackel- und Lampionzug der Hersfelder Kinder am Neumarkt. Begleitet von den Klängen des Stadt-Musikvereins sowie der Musikzüge aus Eiterfeld und Hünfeld und sicher geleitet von Angehörigen der Feuerwehr marschierten die kleinen und großen Fackelträger durch die Altstadtstraßen und über den Linggplatz zur Stiftsruine. Zum ersten Mal in dieser Saison wurden dabei die „Bruder Lolls“-Rufe laut.

Posaunen und Glocke

Hunderte von festlich gestimmten Menschen erlebten in dem halbdunklen, alten Gemäuer dicht gedrängt und bei leichtem Regen das Vorspiel des Posaunenchors und die feierlich-dumpfen Schläge der Lullusglocke, ehe Pröpstin Sabine Kropf-Brandau ihre Ansprache hielt.

Ein prachtvolles Feuerwerk beendete das Ritual in der Ruine. Während Feuerbälle und Sternenregen über den Mauern aufstiegen, hallten die Donnerschläge in den umgebenden Straßen wider.

Schon am Nachmittag waren die Schausteller und die angereisten Vertreter der Partnerstädte im Hersfelder Rathaus empfangen worden.

Von Peter Lenz

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