Das soziokulturelle Zentrum Buchcafé in Bad Hersfeld

Die Show geht weiter

Das Buchcafé-Team vom Verein für Kultur und Kommunikation mit Geschäftsführer Helmut Weide-Basler (links) in den kultigen und leicht knarzigen Kinosesseln des Veranstaltungssaals im alten Buchcafé in der Badestube. Foto: nh

Bad Hersfeld. Es ist die Kultur, die Bad Hersfeld von all den anderen hübsch-sanierten Fachwerkstädten in Nordhessen abhebt. Die Festspiele und die Oper in der Stiftsruine sind die Leuchttürme im städtischen Kulturbetrieb. Aber auch das Kulturzentrum Buchcafé strahlt mit seinem breiten Angebot weit über die Stadtgrenzen hinaus – und das nicht nur im Sommer.

Bis zu 10 000 Besucher finden jedes Jahr den Weg zu etwa 100 Veranstaltungen in der alte Druckerei der Hersfelder Zeitung. Die niedrigen Decken, die leicht knarzenden Kinosessel und der tiefschwarze Bühnenvorhang, der jeden Fotoblitz verschluckt, machen das ganz eigene Ambiente des Veranstaltungssaals aus.

Das Programmangebot umfasst Kleinkunstveranstaltungen wie etwa Kabarett, Theater und Puppenspiel, sowie Konzerte der ganzen Bandbreite von Folk über Weltmusik bis zu Blues, Jazz und Rock.

Durch langjährige, kontinuierliche Kontakte zu Akteuren und Agenturen gelingt es regelmäßig, hochkarätige Künstler aus dem In- und Ausland nach Bad Hersfeld zu holen. Auch im Festspielrahmenprogramm engagiert sich das Buchcafé. Kooperationen mit der Stadtjugendpflege Bad Hersfeld bei den „Kleinen Festspielen“ sind seit vielen Jahren fester Bestandteil der Kulturarbeit. Und auch beim Live Jazz ist das Buchcafé dabei.

Apropos Café: Der Gastraum mit dem rustikalen Thresen weckt wohlige Erinnerungen an vergangene Studentenzeiten. Kleine Tische und eine schmale Karte mit leicht alternativ angehauchten Speisen schaffen Gemütlichkeit. Hier mag man sitzen und darüber diskutieren, wie die Welt zu verbessern sei.

Seit 1979 besteht der Verein für Kultur und Kommunikation e.V., der das Buchcafé trägt. Im Hanfsack, im Vogelsang und zurzeit im früheren Verlagsgebäude der HZ in der Badestube, hatte das Buchcafé bislang sein Domizil. Die Arbeit des Kulturvereins war nicht immer allen genehm. Die Räume im Vogelsang musste der Verein nach einem Brandanschlag aus der rechten Szene räumen.

Bildung und Politik

Denn neben Musik und Café ist das Buchcafé auch ein sozio-kulturelles Bildungszentrum. Diese Angebote und Gruppenaktivitäten nutzen jährlich rund 2000 Menschen: Im Buchcafé treffen sich die Globalisierungsgegner von Attac, die AIDS-Hilfe bietet Beratungen an, das Europa-Büro hat hier sein Domizil.

Außerdem bietet das Nachhilfeprojekt Regenbogen regelmäßig Unterstützung für Kinder mit Migrationshintergrund an. Es gibt einen Buchcafé-Chor, Bands und Jugendtheatergruppen, die hier proben. Zudem werden regelmäßig Gitarrenunterricht und Trommelkurse angeboten.

Die Kulturarbeit des Vereins wird jährlich durch die Stadt Bad Hersfeld, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und den Kreis Hersfeld-Rotenburg gefördert. Einen großen Teil der Gesamtkosten erwirtschaftet der Verein allerdings durch Eigenleistungen in Form von Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Eintrittsgeldern.

Geld wird auch das nächste große Projekt des Buchcafés kosten: Weil das derzeitige Gebäude verkauft wurde und abgerissen werden soll, will das Buchcafé in das alte Parkhaus am Neumarkt umziehen (wir berichteten). Konkrete Plänen liegen auf dem Tisch.

Denn für das Buchcafé gilt der Leitspruch der Rock’n’Roller: The show must go on!

Von Kai A. Struthoff

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