„Ein Wintermärchen“: Shakespeare Company Berlin in der Hersfelder Stadthalle 

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In Aktion: die Figuren Schäfer (Nico Selbach, rechts) und Hansdampf (Johanna-Julia Spitzer).

Bad Hersfeld. Mit einem der Spätwerke von William Shakespeare, dem „Wintermärchen“, hat am Mittwochabend die Shakespeare Company Berlin die Zuschauer in der nur einigermaßen gut besuchten Bad Hersfelder Stadthalle begeistert.

Vier großartige Schauspieler entführten ihr Publikum in ein mythenhaftes Spiel, in dem die Grenzen zwischen Tragödie und Komödie verschwammen. Sie boten gut zwei Stunden lang pralles, alle Sinne ansprechendes Theater, wie man es vermutlich zu Shakespeares Zeiten erleben durfte.

Die Handlung ist schnell erzählt, findet man sie sich doch in vielfältiger Weise in Shakespeares Werk wieder. Rasend vor Eifersucht verdächtigt König Leontes zu Unrecht seine schwangere Frau Hermione der Untreue mit seinem langjährigen Freund Polixenes und befiehlt, den vermeintlichen Ehebrecher zu ermorden.

Gattin ins Gefängnis

Als dieser sich durch Flucht rettet, lässt Leontes seine Gattin ins Gefängnis werfen und deren neugeborene Tochter in der Wildnis aussetzen. Erst als kurz darauf der Sohn von Leontes stirbt und Hermione zu Stein erstarrt, gelangt Leontes zu Einsicht und Reue; seine ausgesetzte Tochter wird indes von einem Schäfer gerettet und großgezogen.

Jahre später verliebt sie sich in den Sohn von Polixenes und muss mit diesem an den Hof ihres leiblichen Vaters fliehen, wo sich schließlich alles aufklärt und auch Hermione wieder aus ihrer Starre erwacht.

Scheinbar mühelos meisterten die vier Schauspieler den Spagat zwischen Tragödie und Komödie, verkörperten einerseits beeindruckend intensiv Wahn, Hybris und Reue, nur um wenig später ihren komödiantischen Talenten freien Lauf zu lassen. Vor allem der naive Schäfer und sein ebenso trotteliger Sohn avancierten mit norddeutschem Zungenschlag schnell zu Publikumslieblingen.

Dabei hatte jeder Darsteller drei Rollen zu verkörpern, die es in Windeseile mit viel Einsatz und Phantasie zu wechseln galt. Toll der blitzartige, sich in rasantem Tempo wiederholende Wechsel zwischen den Rollen des Polixenes und seines Sohns Florisel. Thilo Herrmann drehte sich, während er seinen Theaterbart abwechselnd unters Kinn oder über die Stirn zog, einmal um die eigene Achse und stand als ein anderer Mensch auf der Bühne.

Mit langem Applaus bedankte sich ein begeistertes Publikum bei fabelhaften Akteuren. Im nächsten Jahr plant die Shakespeare Company übrigens, mit dem „Kaufmann von Venedig“ wieder nach Bad Hersfeld zu kommen – ein Ereignis, welches man auf keinen Fall verpassen sollte.

Von Thomas Landsiedel

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