Prozess um Kindesmissbrauch in Rotenburger Erstaufnahmeeinrichtung

Vor Gericht: Sex-Täter ist geständig

Symbolbild Urteil Gericht Justiz

Bad Hersfeld. Mit seinem Geständnis ersparte der Angeklagte in einem Missbrauchs-Prozess vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld seinem Opfer die Aussage im Zeugenstand. Damit steht das Verfahren gegen einen 24 Jahre alten Asylbewerber aus Afghanistan vor einem unerwartet raschen Ende, bei dem für Dienstagnachmittag das Urteil erwartet wird.

Dank der behutsamen Befragung durch die Gerichtsvorsitzende Michaela Kilian-Bock und eines ausgezeichneten Dolmetschers konnte in der Beweisaufnahme vom Montag das Geschehen in der Rotenburger Erstaufnahmeeinrichtung vom 16. Dezember vergangenen Jahres Stück für Stück aufgeklärt werden.

Der Afghane räumte demnach ein, sein Smartphone einem neunjährigen Jungen zum Spielen überlassen zu haben und das Kind so in einen Keller gelockt zu haben. Dort habe er den Jungen umarmt, und ihm die Hose bis auf die Knie heruntergezogen. Dies habe ihn so erregt, gestand der Angeklagte, dass er bei geschlossener eigener Hose zum Erguss gekommen sei. Danach habe er das Beinkleid des Kindes wieder hochgezogen und dabei möglicherweise aus Versehen auch das entblößte Geschlechtsteil des Neunjährigen berührt.

Diesen in zahllosen Einzelheiten erfragten Tathergang fasste Richterin Kilian-Bock noch einmal zusammen und ließ ihn sich durch den Afghanen bestätigen.

Weil die ursprüngliche Anklage des schweren sexuellen Missbrauchs schon zu Prozessbeginn auf einfachen Missbrauch reduziert worden war (unsere Zeitung berichtete), brauchten nach diesem Geständnis keine weiteren Zeugen mehr vernommen zu werden – insbesondere konnte das mit seiner Mutter aus Marburg angereiste Opfer die Heimreise antreten, ohne dass es den Gerichtssaal betreten hatte.

Als Motiv für sein Handeln gab der 24-Jährige an, nervenkrank zu sein. Aus diesem Grund ist der Angeklagte vor dem Prozess psychisch untersucht worden. Der Gutachter wird am Dienstag berichten, dann folgen Plädoyers und Urteil. Schon jetzt ist absehbar, dass der seit Mitte Dezember in Untersuchungshaft befindliche Afghane wieder auf freien Fuß gesetzt wird.

Von Karl Schönholtz

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