Sensibler Intendant und moderate Töne

Karl Schönholtz

Dieter Wedel, den Intendanten der Bad Hersfelder Festspiele, erleben Gesprächspartner oft als charmanten Plauderer. So auch die Journalisten, denen er am Rande der Dreharbeiten für die „Hexenjagd“ in der Stiftsruine frisch-fröhlich von der noch bevorstehenden Tanzszene im Wald erzählte, bei der sich die jungen Damen „nackend ausziehen“ mussten. Nachher haben wir gehört, dass Wedel bei diesen Aufnahmen – die nächtens und unter Ausschluss der Öffentlichkeit gedreht wurden – extrem sensibel zu Werke gegangen ist. Erst wurde noch im Textil geprobt, dann einmal ohne aufgenommen – und das war’s auch schon. Das Ergebnis ist während der Aufführungen auf der großen LED-Wand zu bewundern.

Ungewohnte moderate Töne wurden in dieser Woche in den Stadtverordnetneversammlungen von Bad Hersfeld und Heringen angeschlagen. In der Kreisstadt wurde eine 30 Punkte-Tagesordnung konstruktiv abgearbeitet, ohne dass vom Rednerpult eine einzige Bosheit zu vernehmen war. Auch an der Werra scheint der bevorstehende Wechsel im Bürgermeisteramt von Hans Ries zu Daniel Iliev dem bisherigen Dauer-Zank ein Ende zu machen. Allerdings hat Hans Ries wohl ernsthaft vor, auch künftig einen Platz im Magistrat einzunehmen. Ob es dann wieder atmosphärische Störungen gibt?

Fehler sind nicht schön, ärgern uns am meisten, passieren aber bei aller Sorgfalt immer wieder. Wenn Zahlen nicht stimmen, Namen falsch geschrieben sind oder die Partei nicht richtig zugeordnet wurde, dann wird das selbstverständlich korrigiert. Und wenn wir – wie auf den Sonderseiten zum neuen Kreistag in der HZ vom Donnerstag leider geschehen – unseren Landrat auch noch über zehn Jahre älter machen als er in Wirklichkeit ist, dann schämen wir uns ein bisschen und entschuldigen uns in aller Form.

Obwohl – wir sind uns ziemlich sicher, dass Michael Koch beim Blick auf sein jugendliches Konterfei und die „54“ darunter geschmunzelt hat, weil beides nun so gar nicht zusammengepasst hat.

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