Sensible Themen für den heißen Herbst

Karl Schönholtz

Den Bad Hersfelder Stadtverordneten steht ein heißer Herbst bevor: Da ist zum einen die allseits akzeptierte Notwendigkeit zu sparen, weil die Haushaltslage noch immer äußerst angespannt ist. Über das Wie wird in den nächsten Wochen sicher heftig gestritten werden.

Zum anderen steht der Umgang mit den Festspielen als Dauerthema auf der Tagesordnung. Dass nun schon wieder mehr Geld locker gemacht werden muss als zuletzt verkündet, das sorgt bei den Parlamentariern nicht nur für Verwirrung, sondern verlangt auch überzeugende Erklärungen.

Die wurden in dieser Woche im Haupt- und Finanzausschuss nicht wirklich geliefert, zu allgemein waren die – für viele überraschende – Tischvorlage und zu kompliziert die Ausführungen über „materielle und immaterielle Wirtschaftsgüter“ des kaufmännischen Leiters Stefan Pruschwitz. Und dass Bürgermeister Thomas Fehling auf die Frage nach den Konsequenzen vorübergehend „nicht auskunftsfähig“ war, machte die Sache nicht besser.

Ein anderes Thema verlangt ebenfalls nach sensiblem Umgang: Wie sich der geplante Autohof an der Hünfelder Straße auf die Wohnsituation der benachbarten Sinti auswirken wird, das kann man sich nach Stand der Dinge leicht ausmalen.

Wenn das Leben zwischen neuer Umgehungsstraße, Amazon-Zufahrt und dem künftigen Autohof einigermaßen erträglich bleiben soll, dann müssen Kompromisse her. Weil die Bewohner der Sinti-Siedlung und der Kühnbach-Blocks an den politischen Entscheidungsprozessen in der Stadt keinen Anteil nehmen, müssen andere ihre Interessen wahrnehmen. Den Stadtparlamentariern sollte dies auch mit Blick auf die unrühmliche Vergangenheit eine besondere Verpflichtung sein. Dass der Autohof-Investor schon im Vorfeld Kompromissbereitschaft signalisiert hat, ist dabei ein gutes Zeichen.

Für den notwendigen Kanalbau an der Wölfershäuser Straße und Heinerberg in Heringen hat das Land wohl einen Zuschuss in Aussicht gestellt. Das habe ihm das Regierungspräsidium jetzt schriftlich mitgeteilt, berichtet Bürgermeister Hans Ries. Die Sanierung müsste eigentlich umgehend in Angriff genommen werden, da Salzlauge in die alten Kanäle eindringt und so auch die Technik der Kläranlage angegriffen und geschädigt wird.

Die zu erwartende Finanzspritze – über die Höhe schweigt sich der Bürgermeister aus – sei nur durch sein beharrliches Vorgehen möglich gewesen. Warten wir einmal ab, wie die leidige Geschichte um die Kanalsanierung in Heringen weitergehen wird (wir berichteten mehrfach).

Im März stehen ja Kommunalwahlen an. Für viele also ein gefundenes Thema, das allerdings auf dem Rücken der leidtragenden Bürger ausgetragen wird. Denn sie werden abschließend einen Großteil der Zeche bezahlen müssen.

Kommentare