Engländerin Susan Bernstein kam über Indonesien nach Deutschland und gründete das IkuZ

Seltsames deutsches Essen

Susan Bernstein im Interkulturellen Zentrum Bad Hersfeld mit dem Angklung, einem indonesischen Bambusinstrument, das im Ensemble gespielt wird. Jedes Instrument hat eine einzige Tonhöhe und wird auf ein Zeichen der Dirigentin geschüttelt. Damit können auch Menschen ohne Vorkenntnisse gemeinsam musizieren. Foto: Selzer

Bad Hersfeld. Ein Café der Begegnung, in dem fremde Menschen sich kennenlernen und miteinander Deutsch sprechen können, das war Susans Traum, als sie nach längerem Aufenthalt in Indonesien mit ihrem deutschen Mann und drei Kindern nach Deutschland zurückkehrte, um sich dort niederzulassen.

„Ich habe gelernt, mich immer wieder auf neue Länder, neue Sitten und Gebräuche einzustellen“, sagt Susan Bernstein, „doch die Wiedereingewöhnung in Deutschland war die schwerste.“ Wenn man in Indonesien unter einfachsten Bedingungen gelebt habe, falle es schwer zu begreifen, dass sich Menschen Gedanken über die Farbe ihres Klopapiers machen.

Die Aufgeschlossenheit gegenüber fremden Menschen und Kulturen verdankt die Engländerin ihren Eltern, wie sie sagt. „Wir hatten immer ein offenes, gastfreundliches Haus. Als ich klein war, hatten wir viele fremdländische Studenten bei uns wohnen.“

Oh, dieses furchtbare Brot…

Ihre Eltern seien sehr gläubig, doch auch streng gewesen, sodass sie als Jugendliche dagegen rebelliert habe. Mit 17 Jahren ging sie als Au-pair-Mädchen ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland. „Dieses seltsame Essen war schon gewöhnungsbedürftig – vor allem das furchtbare Brot!“ sagt sie und lacht.

Durch die Freundlichkeit ihrer Gasteltern gelang es ihr, in den acht Monaten ihres Aufenthaltes fließend Deutsch sprechen zu lernen – „wenn auch nicht immer grammatisch korrekt.“

Zurück in England, machte Susan in London eine Ausbildung als Krankenschwester. Sie genoss das Leben in der Großstadt, bis sie eines Tages von Bekannten zu einer christlichen Veranstaltung mitgenommen wurde. „Dort wurde mir klar, dass der Glaube mir Lebenshilfe und Orientierung geben kann, und ich lernte neu auf Gott zu bauen“, erzählt Susan.

Missionarin in Indonesien

Auch mit ihrem Mann, den sie als deutschen Gaststudenten bei den Eltern kennengelernt hatte und 1971 heiratete, verband sie dieses Gottvertrauen. Beide machten zwei Jahre lang eine Bibelschulausbildung und gingen dann als Missionare nach Indonesien, wo sie zunächst in landwirtschaftlichen Projekten arbeiteten. Susan bekam in dieser Zeit ein Mädchen und zwei Jungen, die mit den einheimischen Kindern aufwuchsen. „Wir wurden damals mit großer Gastfreundschaft aufgenommen.“

Nach 17 Jahren entschieden sich die beiden, wegen der Kinder in Deutschland zu bleiben. „Auch hier in Bad Hersfeld trafen wir wieder viele freundliche Leute, die uns besonders in der ersten Zeit halfen, uns wohlzufühlen, doch wunderten wir uns oft auch über die Strenge und Distanziertheit unter den Deutschen.“

Um anderen Neuankömmlingen im Lande den Anfang zu erleichtern, gründete Susan mit anderen 2001 das IkuZ, das Interkulturelle Zentrum in Bad Hersfeld. Sie hofft auf mehr Offenheit der Hersfelder den Fremden gegenüber, und dass man die Hemmungen überwindet und aufeinander zugeht.

www.ikuz-hersfeld.de

Von Martina Selzer

Kommentare