250 Dinge, die wir an der Region mögen (155): Der Gibgeshof in Breitenbach/H.

Die Selbstversorger

Bis auf die Stromversorgung sind die Bewohner des Gibgeshofes unabhängig von öffentlichen Netzen. Foto: Urban

BREITENBACH/h. Der Gibgeshof gehört zu Breitenbach wie die Blüte zu einer Blume. Etwa in der Mitte zwischen Oberjossa und Breitenbach liegt er im sonnigen Tal am Fuß der Gibgeskuppe. Vom Trubel des Dorfes oder dem Verkehr auf der Bundesstraße bekommt man hier nichts mit.

Die rot bedachten, Fachwerkgebäude wirken mit den bunten Blumenkübeln, dem üppigen Bauerngarten, dem Teich und den schützenden Bäumen ein bisschen, als seien sie aus unserer Zeit gefallen. Es gibt Strom, aber keine Heizung. In den Zimmern des Erdgeschosses stehen Holzöfen, im Obergeschoss wird nicht geheizt. Durch die niedrigen Räume ziehen sich sorgsam freigelegte, fast schwarze, runzlige Deckenbalken, die Wände sind geschmückt mit Bildern des Hofes und einigen, liebevoll gepflegten Erinnerungsstücken der Vorfahren. Dennoch wirkt das Haus freundlich, hell und heimelig, wie die warmherzige Begrüßung der Bewohner.

Mit den Tieren alleine

„Wir haben alles in die Landwirtschaft gesteckt“, schmunzelt die Hausherrin. Adam und Annette Vetter leben zurzeit mit ihren Hunden, Pferden und Schafen allein auf dem Gibgeshof. Bis 1995 teilten sie die fünf Zimmer, die Küche und das Bad mit ihren drei Kindern und einer alten Haushaltshilfe.

Würde Adam Vetters Großmutter Margarethe heute durch das Haus gehen, fühlte sie sich sicher noch immer zuhause. Ihre Eltern, Conrad Bohlender und Anna geb. Vetter, bauten das Haus 1848, „gleichzeitig mit der Breitenbacher Kirche“, wie Annas Ur-Enkel Adam weiß.

Er ergänzt: „Vetters stammten ursprünglich aus der Wüstung Hohleiche.“ Als Dörnberg’sches Gut Gebiches wurde das Gehöft 1427 erstmals erwähnt, Ende des 16. Jahrhunderts (1585) lebten hier sieben Bewohner. Nach seiner vollständigen Zerstörung während des 30-jährigen Krieges (1618 - 1648) beherbergte der seit 1785 „Gibges“ genannte Aussiedlerhof in 1885 wieder elf Menschen.

In seiner Blütezeit bis Ende der 1990er Jahre bewirtschaftete das Ehepaar Vetter den Hof als Vollerwerbsbetrieb mit zugepachteten Flächen von insgesamt 40 Hektar. In Ställen und auf Weiden standen 90 Rinder, davon 30 Kühe mit Nachzucht, Pferde, ein Esel, Hühner, Enten, Gänse und Pfauen. Besonders stolz ist Annette Vetter auf ihre Hessenpferde (Warmblut-Pferde, die heute den Hannoveraner Zuchtbetrieben angegliedert sind).

„Als Landwirt musst du wachsen oder weichen“, sagt die leidenschaftliche Bäuerin, deshalb beendeten sie und ihr Mann in 2000 die Pferdezucht mit einer Staatsprämien- und Elitestute sowie einem gekörten (nach bestimmten Kriterien zur Zucht zugelassenen) Hengst, reduzierten ab 2004 die Rinderzucht und gaben den Betrieb 2006 aus Altersgründen schließlich auf.

Wohnhaus geplant

Drei Pferde, einige Enten, Schafe und die Hunde sind geblieben und natürlich will auch das 1,6 Hektar große Hofgelände gepflegt werden. Aber der Hof wird nicht verwaisen. Vetters Sohn Arne und seine Frau Judika möchten ein neues Wohnhaus bauen, so dass bald wieder mehr Leben auf dem Gibgeshof einziehen wird.

Von Dagmar Urban

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