Ruth und Günter Wilmann feiern heute in Bad Hersfeld ihre Gnadenhochzeit

Seit über 70 Jahren ein Paar

Ruth und Günter Wilmann aus Bad Hersfeld feiern heute ihre Gnadenhochzeit. Am 23. März 1943 wurde das Paar in Görlitz getraut (Bild rechts). Fotos: privat

Bad Hersfeld. Seit 70 Jahren sind Ruth und Günter Wilmann aus Bad Hersfeld verheiratet. Heute feiert das Paar seine Gnadenhochzeit. Damals war das Wetter ganz ähnlich, erinnert sich Ruth Wilmann an den 23. März 1943, ihren Hochzeitstag. Es habe zwar kein Schnee mehr gelegen, aber es sei gerade erst ein wenig wärmer geworden nach einem langen und kalten Winter.

Geheiratet haben Ruth und Günter Wilmann in Görlitz. Dort hatten Ruth Wilmanns Eltern eine Gaststätte und dort war Günter Wilmann für seine Ausbildung bei der Luftwaffe stationiert. An Ostern 1940 lernten sich die beiden in einem Café kennen. Ruth saß dort mit einer Freundin, als Günter mit seinem Freund Wolfgang Wahl, der später, so erzählt er, als Schauspieler bekannt wurde, ins Lokal kam. „Wir sahen die beiden da sitzen und haben erst Blicke hin- und hergeschickt. Dann saßen wir zusammen und sind schließlich zu viert spazieren gegangen“, erinnert sich Günter Wilmann. Einen Tag später traf er sich alleine mit Ruth und von da an waren die beiden ein Paar.

Rasche Heirat

An Weihnachten 1941 verlobten sich Ruth und Günter, geheiratet werden sollte nach dem Krieg. Als Günters Mutter dann jedoch im Januar 1943 starb, entschieden sich die beiden zur raschen Heirat, um deren Wohnung in Leipzig behalten zu können.

Noch am Abend der Hochzeit fuhr das junge Paar mit einem völlig überfüllten Frontheimkehrerzug von Görlitz nach Leipzig: „Wir mussten durchs Fenster in den Zug klettern, den Brautstrauß immer dabei, und die ganze Strecke stehen“, erzählt Günter Wilmann. „Aber es war lustig.“

Den Krieg überstand er unbeschadet, musste nie an die Front. Er wäre nach seiner Ausbildung gerne zu einer Fernaufklärerstaffel versetzt worden, doch seine Ausbilder waren sich einig, dass er weitere Flugscheine erwerben sollte. Schließlich war er als Blindfluglehrer bei der Luftwaffe tätig. Nach Kriegsende begab sich Günter Wilmann freiwillig in amerikanische Gefangenschaft, um der Festnahme durch die Russen zu entgehen. Daraus entließ er sich einige Tage später selbst wieder, indem er in Leipzig von einem Transport-Lkw sprang und sich in den Büschen versteckte. Pünktlich zum Geburtstag seiner Frau am 30. Mai 1945 war er wieder zuhause.

Nach dem Krieg fand Günter Wilmann sehr schnell wieder Arbeit bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, einem Mineralöl-Konzern. Als dessen Niederlassung in Leipzig aufgelöst wurde, wechselte er ins Landratsamt, zunächst als Kassierer, später als Leiter des Rechnungsprüfungsamtes. „In dieser Stellung wurde der politische Druck immer stärker, so dass wir beschlossen, die DDR zu verlassen“, erzählt Wilmann. Gemeinsam mit den beiden Kindern Barbara und Gisela, geboren 1946 und 47, und befreundeten Nachbarn verließen die Wilmanns im Januar 1953 das „Arbeiter-und Bauernparadies“. „Die Flucht war mit großen Ängsten verbunden“, erinnert sich Ruth Wilmann, glückte jedoch problemlos. Einen Koffer hatte die vierköpfige Familie dabei, alles andere musste sie zurücklassen.

Nach zwei Lageraufenthalten gelangten die Wilmanns schließlich in die Nähe von Hamburg, wo Wilmann seine Ausbildung gemacht hatte. Er wurde sofort wieder eingestellt und erhielt auch eine Wohnung. Vier Jahre später wurde er in den Außendienst nach Frankfurt versetzt. Dort wurde 1961 auch die dritte Tochter Susanne geboren.

Durch seine Reisetätigkeit hatte Wilmann immer wieder Kontakte zur Firma Georg Börner in Bad Hersfeld und ließ sich schließlich abwerben. Ein Grund für die Entscheidung war, dass es Ruth Wilmann und den beiden großen Töchtern so gut hier gefiel.

Von Christine Zacharias

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