Interview mit den Verantwortlichen der Hersfelder Stadtwerke zur Trinkwasserqualität

„Seit Jahren ohne Chlor“

Glasklar: Die Wasservorräte im Inneren des Hochbehälters.

Hersfeld-Rotenburg. Die Nachricht aus Brüssel ist alarmierend: Nach einem Bericht der Kommission für europäische Gewässer ist die Qualität des deutschen Trinkwassers die zweitschlechteste in der EU, nur in Malta ist es noch schlimmer verseucht. Auch in unserer Region mussten die Menschen ihr Leitungswasser zeitweise abkochen, etwa in Rotenburg, Lispenhausen und Eiterfeld. Wie sieht es aus mit der Qualität des Trinkwassers in der Kreisstadt? Unsere Zeitung sprach mit Markus Gilbert (Geschäftsführer) und Ernst-Wilhelm Sasse (Marketingleiter) von den Bad Hersfelder Stadtwerken.

Herr Gilbert, können die Menschen in unserer Stadt wirklich noch Wasser aus der Leitung trinken?

Markus Gilbert: „Aber natürlich. Unser Wasser hat erste Qualität, es ist Trinkwasser im besten Sinne des Wortes. Es ist sauber und absolut keimfrei, besser als so manches Mineralwasser aus dem Supermarkt.“

Und woran liegt es, dass in den letzten Wochen Rotenburg und Eiterfeld verseuchtes Trinkwasser hatten?

Gilbert: „Das kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, dass wir seit Jahrzehnten keine Probleme mehr hatten. In unseren Wasserwerken kommt die modernste Filtertechnik zum Einsatz. Eine sogenannte Ultrafiltration entfernt hundertprozentig Keime, Mikroorganismen und Schwebstoffe aus dem Wasser. Kleinere Gemeinden können sich so eine aufwändige Technik wohl nicht leisten.“

Das ist wohl nicht nur bei kleineren Gemeinden so. Auch in Großstädten, zuletzt sogar in der Bundeshauptstadt Berlin (in Spandau), war das Trinkwasser zeitweise verseucht. Nicht ohne Grund hat die EU die zu hohen Nitratwerte in Deutschland angeprangert. Nitrat im Trinkwasser, so hat sie gewarnt, kann bei Säuglingen zu Blausucht und zum Ersticken führen. Bei Erwachsenen erhöht es das Krebsrisiko.

Ernst-Wilhelm Sasse: „Aber wir haben praktisch kein Nitrat im Grundwasser. Das liegt sicher daran, dass wir in unserer Region keine Großindustrie haben und vor allem keine Massentierhaltung. Die Überdüngung durch Gülle ist in anderen Gebieten ein großes Problem. Halb Niedersachsen ist dadurch verseucht. Wir haben schlicht und einfach Glück, dass es bei uns keine Massentierhaltung gibt, wie etwa im Nachbarland Thüringen. Wir haben in unserem Vorraum einen Wasserautomaten stehen, der unser Leitungswasser mit Kohlensäure versetzt. Wir trinken unser Leitungswasser. Es schmeckt hervorragend.“

Wassermeister Uwe Volkwein betritt den Raum: „Genauso ist es. Ich garantiere für die Qualität unseres Wassers. Es wird ständig überprüft, auch von unabhängigen Instituten. Es ist so gut, dass wir seit Jahrzehnten kein Chlor mehr zusetzen mussten. Die Hersfelder können ihr Wasser unbesorgt genießen.“

Von Helmut Bienk

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