Interview mit Stefan Pruschwitz, dem kaufmännischen Leiter der Bad Hersfelder Festspiele

Rot ist seine Lieblingsfarbe

In der Kreisstadt gut aufgenommen: Stefan Pruschwitz, der kaufmännische Leiter Bad Hersfelder Festspiele. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Einen Kaltstart in die Spielzeit 2015 musste Stefan Pruschwitz hinlegen, als er Mitte Oktober vergangenen Jahres seine Arbeit als kaufmännischer Leiter der Bad Hersfelder Festspiele begann. Trotz der extrem kurzen Vorlaufzeit hat der 48-Jährige gemeinsam mit Intendant Dieter Wedel schon eine Menge bewegen können. Unsere Zeitung sprach mit Pruschwitz über Erfolge, Misserfolge und Perspektiven.

Herr Pruschwitz, Ihre Arbeit stellen wir uns Schreibtischjob vor, bei dem Sie den ganzen Tag über Zahlen brüten. Stimmt das?

Stefan Pruschwitz: Es kommt ja mehr dazu. Die Teamführung gehört dazu, ich muss mit den Gewerken sprechen und mit der künstlerischen Leitung. Aber man verbringt schon viel Zeit damit, auf die Zahlen zu schauen, um die Einnahmeseite im Auge zu haben. Denn leider ist es ja nicht so, dass wir schon vorher alle Karten verkauft haben.

Wie sieht die Zwischenbilanz denn aus?

Pruschwitz: Meine Lieblingsfarbe ist Rot. Wenn man bei uns auf der Website den Spielplan anklickt, sind die ausverkauften Veranstaltungen rot angezeigt. Und das werden immer mehr, wir können uns da nicht beschweren. Es war ja schließlich ein neues künstlerisches Team mit einer neuen Spielidee, und da war schon die Frage, ob die Leute das annehmen. Vom Publikumszuspruch sind wir da sehr zufrieden.

Von all dem Neuen, was hat Ihrer Ansicht nach besonders gut funktioniert?

Pruschwitz: Von der neuen Tribüne bin ich total überzeugt. Das Publikum hat eine bessere Sicht, und der Zugang ist sehr viel einfacher geworden. Sie wird auch sehr gut angenommen, und die Rückmeldungen sind zu 99 Prozent positiv.

Gibt es auch etwas, von dem Sie sagen, das war nichts?

Pruschwitz: Wir sind ja schon dabei, uns Gedanken über die Spielplan 2016 zu machen. Und da ich auch für das Stadtmarketing zuständig bin und mit Hoteliers und Gastronomen in Kontakt bin, werden wir versuchen im nächsten Jahr wieder mehr Kombinationsmöglichkeiten einzubauen, so dass die Besucher an aufeinander folgenden Tagen mehrere Stücke sehen können. Das ist mit dem Intendanten auch so vorbesprochen. Die Blockbespielung wie in diesem Jahr war einen Versuch wert und hat uns viele Vorteile gebracht. Aber was das Stadtmarketing angeht, das ja auch Kaufkraft in die Stadt bringen soll, da sehen wir Nachholbedarf.

Was steht beim Stadtmarketing weiter auf dem Zettel?

Pruschwitz: Wir sind gerade dabei, uns auf Weihnachten vorzubereiten und den Weihnachtsmarkt neu aufzustellen. Ich glaube, dass das Zentrum Bad Hersfeld für die Umgebung eine noch bessere Rolle spielen kann, wenn wir an so ein paar Schrauben drehen wie etwa bei der Weihnachtsbeleuchtung. Dazu laufen schon seit mehreren Monaten im Hintergrund Arbeitsgruppen, die sich über ein neues Konzept Gedanken machen.

Bevor Sie nach Bad Hersfeld kamen, sind Ihre Arbeitsfelder von Einzelnen beackert worden. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit Politik, Handel und Hotellerie?

Pruschwitz: Ich denke schon, dass ich da auf dem Weg bin. Meine Position wird natürlich im ersten Jahr über die Festspiele wahrgenommen, aber wir haben auch schon in den anderen Bereichen viel umsetzen können. Dass in Hersfeld immer noch mehr gehen könnte, ist auch klar. Ich werde aber immer mehr eingebunden und denke, dass man mir dabei Vertrauen entgegenbringt. Ich sehe für mich vor allem eine Koordinationsfunktion.

Jetzt haben wir mitten im Sommer schon von Weihnachten gesprochen. Gibt’s denn zwischendurch auch mal Urlaub für Stefan Pruschwitz?

Pruschwitz (lacht): Keine Ahnung. Für mich geht es jetzt ja schon mehr um 2016 als um die Spielzeit 2015. Wir arbeiten am Spielplan, und müssen einen Wirtschaftsplan aufstellen. Und dann sind da ja auch noch die Verhandlungen mit dem Arbeitskreis für Musik wegen der Oper, die jetzt in die entscheidende Phase gehen. Aber ich hatte schon vor, zwischendurch mal für ein, zwei Wochen rauszugehen...

Von Karl Schönholtz

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