Montagsinterview mit Iny Klocke und Elmar Wohlrath, den Autoren des Romans „Die Wanderhure“

Sehr gespannt auf das Ergebnis

Gespannt: Iny Klocke und Elmar Wohlrath, Autoren des Roman „Die Wanderhure“ freuen sich auf die Premiere der Bühnenfassung bei den Bad Hersfelder Festspielen. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Sie haben mehr als elf Millionen Bücher verkauft, davon drei Millionen alleine von ihrem Roman „Die Wanderhure“, der bei den Bad Hersfelder Festspielen erstmals in einer Bühnenfassung aufgeführt wird: Das Autoren-Ehepaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath – bekannt als „Iny Lorentz“ – macht aus diesem Anlass Kurzurlaub in der Lullusstadt und nahm sich dabei auch Zeit für ein Interview mit unserer Zeitung.

Frau Klocke, Herr Wohlrath, was sagen Sie dazu, dass Ihr Roman in der Stiftsruine gespielt wird?

Klocke: Wir freuen uns und sind sehr gespannt auf das Ergebnis.

Sie werden also selbst dabei sein?

Wohlrath: Ja, wir werden’s uns ansehen, und sind da eigentlich guter Dinge. Ein ausgezeichneter Ort zum Aufführen, ein ausgezeichneter Autor für das Theaterstück und – so wie wir bis jetzt wissen – ausgezeichnete Akteure.

Kennen Sie die Spielfassung von Gerold Theobalt?

Klocke: Ich habe sie angefangen zu lesen, aber dann gesagt: Nein, ich möchte sie sehen. Es klang so interessant, dass ich dachte, das tue ich mir nicht an. Ich gönn’s mir einfach, es frisch zu sehen.

Sie sind ja schon seit ein paar Tagen in der Stadt. Was machen Sie die ganze Zeit?

Klocke: Wir arbeiten auch. Wir haben unsere Lektorin dabei, reden über Projekte und sehen uns die Gegend und die Stadt an.

Findet sich in Bad Hersfeld am Ende etwas Inspirierendes für Ihre Bücher?

Klocke: Noch nicht. Aber wir sammeln von überall Informationen. Kann also durchaus sein, dass dann mal was vorkommt.

Es hat ja um die „Wanderhure“ ein paar Diskussionen gegeben wegen angeblicher historischer Ungenauigkeiten. Wie aufwendig recherchieren Sie?

Wohlrath: Wir haben sehr intensiv recherchiert und nichts Derartiges festgestellt.

Klocke: Das sind liebe Leute, die uns unterstellt haben, bei uns würden nicht mal die Jahreszahlen stimmen (lacht). Wir waren aber mehrmals in Konstanz und haben alles abgefahren, was in der Geschichte vorkommt. Wir haben ein Riesenglück gehabt und die Chronik von Konstanz bekommen, in der das Konzil ausführlich beschrieben war.

Wohlrath: Einschließlich der Schlussszene in der „Wanderhure“, des Aufstands der Huren. Der hat im Gegensatz zu dem, was einige Leute sagen, tatsächlich stattgefunden.

Wie muss man sich das vorstellen, wenn zwei Autoren an einem Buch schreiben?

Klocke: Intensive Diskussionen.

Wohlrath: Wenn wir eine Idee entwerfen, brauchen wir dafür viele Einzelteile. Wir reden darüber...

Klocke: ...und fahren gemeinsam an die Orte...

Wohlrath: ...schauen uns das an und besorgen uns nach Möglichkeit vor Ort Informationen wie Bücher, Chroniken oder Faksimile-Ausdrucke. Wenn die Recherche einen gewissen Rahmen hat, entwickeln wir die Geschichte. Ich setze mich dann hin und schreibe einen Rohtext. Meine Frau kontrolliert ihn, gibt ihre Kommentare ab, und ich überarbeite den Text. Dann übergebe ich das Ganze wieder an meine Frau.

Klocke: Ich gehe dann fünfmal drüber und arbeite gründlich an dem Text. Mein Mann kontrolliert allerdings jeden Schritt.

Wer von Ihnen ist derjenige mit der eigentlichen Idee zum Buch?

Wohlrath: Das ist unterschiedlich. Die „Wanderhure“ kam von Iny, die für unseren ersten Roman „Die Kastratin“ kam uns beiden am selben Tag. Es war ganz eigenartig. Ich kam nach Hause, ich sagte, ich hätte eine Idee, und Iny sagte, ich auch. Dann ging es fünf Minuten hin und her: Fang du an, fang du an, bis ich gesagt habe: Wie wär’s wenn wir einen weiblichen Kastratensänger nehmen würden?

Klocke: Da habe ich einen Schreikrampf gekriegt. Das war doch meine Idee!

Von Karl Schönholtz

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