Gott spricht eine Sprache: Unterwegs mit den drei Königen der Hohen Luft

Segen auf Bestellung

Bad Hersfeld. Der königliche Umhang ist ein wenig länger als der kleine Luca groß. Er schleift auf dem Asphalt, quer über die Chemnitzer Straße, macht Halt vor einer Tür. Der siebenjährige Luca drückt die Klingel der Familie Kehl. Unter dem Umhang in Metallic-Rot tritt der kleine König von einem Fuß auf den anderen.

Luca spielt Melchior und feiert gleich in dieser Rolle Premiere. Lampenfieber? „Nein“, sagt Luca, schüttelt energisch den Kopf. Luca lauscht. Als er die nahenden Füße hinter der Tür hört, gibt er zu: „Naja, vielleicht ein bisschen“. Tagelang hat er seinen Text geprobt - und er sitzt: „Wir bringen euch heute die Botschaft des Herrn“, sagt er fehlerfrei auf - und seine zwei Begleiterinnen verkünden sie.

Luca Nappi, Vanessa Escher und Elisabeth Neufeld sind die Heiligen Drei Könige der Hohen Luft, die Sternsinger der Katholischen Kirchengemeinde Sankt Bonifatius. „Die jungen Boten Gottes“ nennt sie Pfarrer Christian Sack, als er die Sternsinger mit wehenden Gewändern, Pappkronen und gesegneter Tafelkreide entsendet.

Gäste in aller Welt

Sie tragen die frohe Botschaft mit dem Auto in alle Welt. Nach Italien, nach Polen, nach Deutschland. „Wir haben einen weiten Weg“, sagt Ministrantin Caroline Engel und lotst die drei Könige auf die Rückbank ihres Kleinwagens. Nur wenige Straßen trennen die Gläubigen, die den Segen bestellt haben und doch aus den verschiedensten Ländern stammen. Der Glaube an Gott und die Bitte nach seinem Segen eint sie.

Zwischen Tür und Angel leisten Vannessa, Luca und Elisabeth einen wertvollen Dienst: „Wir sammeln gleichzeitig Geld für Kinder in Kambodscha“, sagt die zehnjährige Vanessa, die stolz darauf ist, dass sie das Lied „Stern über Bethlehem“ und das Gedicht auswendig kann. Den Spickzettel, der zur Erinnerung auf der Rückseite ihres Sterns klebt, braucht sie nicht.

Familie Kehl klatscht. Andächtig haben sie den Kindern gelauscht. „Der Segen bestärkt uns“, sagt Andrea Kehl, und blickt auf die Kreidezeichnung an der Tür: „20+C+M+B+11“ haben die Sternsinger in Kreide hinterlassen - Gott segne dieses Haus. Ein ganzes Jahr lang steht der Spruch über den meisten der zwanzig Türen, an denen die Boten Gottes herzlich empfangen werden. Begleitet von Lächeln und guten Gaben, bahnen sie sich ihren Weg von Tür zu Tür.

Zwischen betagten Möbeln erwartet eine alte Dame die Kinder. Seit Jahren sind die Sternsinger bei ihr willkommene Gäste. Der Frohsinn, den sie mitbringen, ist in der Stube ein seltener Gast: „Sie bringen Hoffnung, wo sonst nicht viel Hoffnung ist“, sagt die Katholikin. Auf einem kleinen Abstelltisch steht noch die kleine Holzkrippe. „In echt war die bestimmt noch schöner“, sagt Luca und rückt seine Pappkrone zurecht. Sie ist weiter als der Kopf des kleinen Luca groß.

Von Pia Schleichert

Kommentare