Pater Anselm Grün sprach über die Regel des heiligen Benedikt

Pater Anselm Grün bei seinem Vortrag in der Stiftsruine

Bad Hersfeld. Unter dem Leitgedanken „Komm zur Quelle“ feiert die Pfarrei St.-Lullus-Sturmius in diesem Jahr die Erbauung ihrer Pfarrkirche vor 125 Jahren. Anlass genug, einen der meistgelesenen geistlichen Autor unserer Tage, den Benediktinermönch Pater Anselm Grün, in die Stiftsruine einzuladen.

Er sprach über die Lebensregel des Mönchsvaters Benedikt. „Welche Weisheiten für ein gutes Leben können wir ihr entnehmen?“, fragte Pfarrer Bernhard Schiller bei der Begrüßung der vielen Hundert Zuhörer, und Pater Anselm gab eine einfache Antwort: „Wenn Gott im Mittelpunkt steht, kommt auch der Mensch in seine Mitte!“

Er ermunterte dazu, Gott zu suchen – im Gotteslob, das sich im eifrigen Besuch der Gottesdienste ausdrücke, in der Beziehungsfähigkeit und in der Leistungsfähigkeit – in der Bereitschaft sich fordern zu lassen. Noch immer gelte der Grundsatz, der zum Motto der Benediktiner geworden sei: „Ora et labora – bete und arbeite – nicht nur im Gebet, sondern auch im Alltag soll Gott verherrlicht werden.“ Müßiggang sei nicht nur „aller Laster Anfang“, sondern auch der „Feind der Seele“.

Pater Anselm riet dazu, die Arbeit „fließen“ zu lassen und nicht zu viel Energie für das Drumherum und für sich selber zu verbrauchen. „Arbeit ist der Weg, sich zu achten“, erklärte der 66-Jährige, der im „normalen“ Leben nach 34-jähriger Tätigkeit als „leitender Angestellter“ schon längst im Ruhestand wäre.

Natürlich ist ihm das Beten wichtig: drei Stunden lang betet er jeden Tag mit seinen Mitbrüdern. Gemeinschaft ist ihm ebenfalls ein großes Anliegen, schließlich komme der Glaube an Gott auch darin zum Ausdruck, wie ehrfurchtsvoll man mit dem Bruder umgehe: „Wir müssen an den guten Kern eines jeden Menschen glauben und im Anderen auf Christus hören – gerade im schwierigen Menschen Christus sehen, der vielleicht in dem spricht, der eine andere Meinung hat!“ Das bedeute auch, dass man nicht kalt und abweisend mit anderen spreche, sondern miteinander und einladend.

Demut sei gefordert, was nichts anderes bedeute, als den Mut zur Wahrheit zu haben – den Mut dazu, von Illusionen Abschied zu nehmen und mit beiden Beinen gelassen auf der Erde zu stehen. „Das richtige Maß“ müsse man finden, denn: „Wo alle nur das Beste wollen, gibt es die meisten Depressionen!“ Nach zwei Stunden Arbeit brauche der Mensch eine Pause – Zeit um aufzuatmen.

Pater Anselms Rat an Führungskräfte: „Führen ist Dienen – Andere kann ich nur dann gut führen, wenn ich mich selber gut führe.“ Oder anders ausgedrückt: „Von kleingemachten Mitarbeitern kann ich keine großen Leistungen erwarten!“ Was wiederum bedeute: „Firmen, die Werte leben, werden langfristig erfolgreicher sein.“

Sanfter Wind

Ein sanfter Wind blies über die Bühne der Stiftsruine und ließ das Gewand des in sich ruhenden Benediktinerpaters flattern, als er seinen Vortrag mit dem Wunsch beendete, dass jeder die im wahrsten Sinne des Wortes benediktinische Einsicht „Ich bin ein Segen und von mir kann ein Segen für diese Welt ausgehen“, erfahren möge.

Musikalisch überaus stimmungsvoll umrahmt wurde die Veranstaltung von Regionalkantor Ludger Heskamp aus Eschwege.

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