Hildegard Fürsts Leben ist eng mit dem Modehaus Wolff verknüpft – Heute wird sie 100

Die Seele des Geschäfts

Blickt auf ein ganzes Jahrhundert zurück: Hildegard Fürst, hier im Bild mit Helma Kesten von der häuslichen Krankenpflege des Klinikums Bad Hersfeld. Foto: nh

Bad Hersfeld. Sie ist ein rundes Jahrhundert alt: Hildegard Fürst aus Bad Hersfeld. Gefeiert wird im kleinen Kreis, wie ihr Sohn Karl-Peter Fürst mitteilt.

Hildegard Fürst war eine Cousine Hans Jochen Ott, der den seit 1981 neu organisierten Familienbetrieb „Hoehl-Druck GmbH & Co / Hersfelder Zeitung KG / Ott-Verlag GmbH“ leitete. Wie dieser war auch Fürsts Vater Peter Konrad Wolff Geschäftsmann, der 1899 das Modehaus P. K. Wolff eröffnet hatte. Hildegard Fürst hatte allerdings einen anderen Berufstraum: Sie wollte Säuglingsschwester werden und absolvierte nach dem Besuch der Luisenschule eine Ausbildung dazu. Nachdem sie in Marburg eine kurze Zeit in ihrem Traumberuf arbeiten konnte, rief die Familienpflicht sie allerdings zurück: Sie wurde im Geschäft gebraucht.

Am letzten Weihnachtsfest vor Kriegsende heiratete sie Rudolf Fürst, einen der drei Söhne des Landwirtschafts-Direktors Friedrich Fürst, mit dem sie schon seit der Tanzstunde befreundet war.

Rudolf Fürst half als Diplom-Kaufmann in den ersten Nachkriegsjahren in Weilburg der mütterlichen Seite seiner Familie, ehe er gemeinsam mit seiner Frau Hilde deren Geschäft an der Breitenstraße führte. Später übernahm er das Modehaus K. E. Jungmann an der Johannesstraße. 1954 kam Sohn Karl-Peter auf die Welt, und das späte Elternpaar schwor sich aufgrund der eigenen Erfahrungen, ihm im beruflichen Werdegang keine Vorschriften machen zu wollen. Der Sohn wurde klassischer Philologe.

Rat an die Kundinnen

Nach seiner Geburt baute das Ehepaar Fürst ein Wohnhaus an der Lambertstraße. Hilde Fürst war nun zur Seele des Modehauses P. K. Wolff geworden, wo man neben Strickwaren noch Stoffe kaufte, um sie sich individuell auf den Leib schneidern zu lassen. Dabei fand so manche Kundin auch mit ihren Problemen im allgemeinen Leben bei langen Gesprächen in einer der Umkleidekabinen Anteilnahme und den helfenden Rat der Chefin. Auch manche der Verkäuferinnen, von denen einige viele Jahre lang blieben, zeigten sich weit über das Arbeitsleben hinaus ihrer ehemaligen Chefin verbunden, wie sie es noch bei der Feier ihres 90. Geburtstags erleben durfte.

Hildegard Fürst war auch 15 Jahre nach dem Tod ihres geliebten Mannes 1994 noch rüstig. Erst seit 2010 ist sie pflegebedürftig. Sie lebt nun im Senioren-Betreuungszentrum in Bad Hersfeld. Mit ihrem Sohn sind auch Enkelin Sophia, deren Mann Panos und die dreijährige Urenkelin Irini bei der Geburtstagsfeier dabei. (red/rai)

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